Vielleicht funktioniert Varoufakis ja in den Pariser Vorstädten?

Am 9. Februar hat Yanis Varoufakis die Bewegung #Diem25 ins Leben gerufen. Mit ihm standen nach Mitternacht eine Reihe von PolitikerInnen und einige Intellektuelle auf der Berliner Volksbühne. Zuvor haben sie viel geredet. Kluges und nicht so Kluges. Mich hat dieses Theater skeptisch zurück gelassen.

„Form follows function“. Wenn ich dieses Motto auf die Gründungsveranstaltung auf der Berliner Volksbühne und ihr Zustandekommen anwende, dann hat Varoufakis einige intellektuelle, politische Zirkel und Bewegungen in Europa zusammengeführt. Diese wiederum wurden durch SprecherInnen repräsentiert.  Soweit so gut. Auch für die 12 Euro Eintritt, die zu bezahlen waren, bringe ich Verständnis auf.  Das muss ja alles bezahlt werden. Und was sollten die Leute auf der Theaterbühne anderes machen außer reden? Bemerkenswert ist das Spektrum, das zusammen kam: Von #blockupy und die deutsche Linke über Ada Colau bis zu Gesine Schwan und dem offenbar unvermeidbaren Slavoij Zizek. Das Hauptziel ist die Demokratisierung Europas, und diese wiederum ist das Codewort für eine grundlegende (institutionelle) Revolution in Europa. So ähnlich mag der Plan sein.

Ob aber für eine die Nationenform überwindende europäische Bewegung der Rückgriff auf den paneuropäischen Gedanken notwendig ist, sei dahin gestellt. Die Befreiung von Ausbeutung und Gewalt, und das Wieder-Erringen von Demokratie darf keinesfalls auf den europäischen Kontinent bezogen bleiben. Dieser ideologische Überbau erscheint unnötig und führt in eine falsche politische Richtung, denke ich.

Vielleicht funktioniert Varoufakis ja in den Pariser Vorstädten

Weiterhin ergreift dieser Gedanke derzeit die Massen sicher nicht. Klare soziale klassenkämpferische Forderungen, die dann mit dem Ansinnen der Demokratisierung verbunden werden, scheinen mir die richtigere Formel zu sein. Erst das eine, und dann das andere. Rein sprachlich kann man so wie gestern gesehen mit den Unterprivilegierten nicht kommunizieren, die zu erreichen man vorgibt. Das war dann doch eher der akademische Flying Circus und die ihm eigenen Redeweisen. Vielleicht funktioniert Varoufakis selber ja in den Pariser Vorstädten. Das müsste man ausprobieren, die finden möglicherweise eher Lederjacke und das Motorrad cool. Die geforderte Live-Übertragung von EU-Treffen ist ihnen jedoch sicher schnurzegal.

Und dann stellt sich unvermeidlich die Frage nach der Demokratie in #Diem25 selber. Wer hat da das Sagen, und warum? Wird die Stimme einer EU-Abgeordneten gleich viel zählen wie die von AktivistInnen in den Pariser Vorstädten oder aus polnischen Kleinstädten? Und wie wird das alles europaweit organisiert werden?

Wir werden es sehen. Sich auf eine Liste zu schreiben und ein Facebook-Like zu klicken, ist einfach. Die politische Leidenschaft zu wecken schon schwieriger. Letzteres ist bei mir gestern nicht gelungen. Ich werde das weiter verfolgen, aber eher aus Vernunftgründen. Besser so etwas, als gar nichts. Was im Grunde eine reichlich desillusionierte und kühle Einschätzung ist.

Nachtrag: Wirklich begeistern tut mich der Ausspruch von Brian Eno: „Lasst uns anfangen zu kochen. Das Rezept kommt später.“ Ja. genau. So geht linke Politik heute! 🙂

2 Kommentare

  1. Also Repräsentant einer ,die Vorgänge als Konsument verfolgenden „Linken“,die erste Reihe fußfrei sich selbst ermächtigt, Haltungesnoten wie beim Eiskunstlauf zu vergeben, 5,7 5,4 5,6,…hast du Sache richtig erfasst und beschieben. Reichlich desillusioniert und cool ist an dieser „Haltung“ nix.Sie ist Illsuion, weil sie vormacht,nicht Teil der Welt zu sein,sondern besonders. Cool ist sie nicht sondern lebendig begraben.Ein kleiner Versuch mit Fühlen ,Denken Handeln kann Berge versetzen.Und dass die Form nur der Funktion folgt ist undialektisch bis zum Fußpilz. Auch Die Funktion folgt der Form und das gleichzeitig.

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