Franz Hörl (ÖVP) klagt Semiosis

Der ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Multi-Funktionär Franz Hörl klagt den unabhängigen Rechercheblog Semiosis auf 10.000 Euro wegen angeblicher übler Nachrede. Er sieht sich in ein falsche Licht gerückt aufgrund einer Recherche von Anfang April über die Situation im Zillertal. In dem Text werden die Umstände der kurzzeitigen Schließung und Wiedereröffnung seines Hotels „Gaspingerhof“ hinterfragt. Hörl stört sich laut des Schriftsatzes seines Anwalts daran, dass Fragen gestellt werden. Sie sind ihm unangenehm. Wir werten diese völlig substanzlose Klage als einen Einschüchterungsversuch, der auch hinsichtlich der Presse- und Meinungsfreiheit problematisch ist. Bislang hat noch keine Verhandlung stattgefunden. Auch hatten wir noch keine Gelegenheit, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Dennoch sind wir zu einer Mitteilung gemäß § 8a Abs 5 Mediengesetz gezwungen. Sie findet sich im Originaltext und auch in dieser Information.

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Zur Dokumentation. Die inkriminierten Textpassagen

„Passage 1: Im Zillertal: taub, blind und stumm

Das Telefon läutet. Das kommt nicht überraschend, denn der Anruf war angekündigt. Am anderen Ende der imaginären Leitung redet die Stimme einer Person aus dem Zillertal. Eine Stimme, die nicht genannt werden möchte und nicht genannt werden kann. Denn im Tal herrsche, so wörtlich, eine „Omerta“. Dieser Ausdruck stammt aus der Mafiasprache und meint: ein Schweigegebot. Wer es durchbricht, muss mit harten Konsequenzen rechnen. Im Falle Tirols mit der Vernichtung der wirtschaftlichen und sozialen Existenz. Nur „wer taub, blind und stumm ist, lebt hundert Jahre in Frieden“, heißt es in Sizilien. Und offenbar auch in Tirol.

Das Virus breite sich ungebremst aus

Was diese Quelle erzählt, mag ich kaum glauben. Im vorderen Zillertal stünde zum Zeitpunkt des Anrufs den acht Notärzten keine Schutzausrüstung zur Verfügung. Zwar gebe es eine Bestellung dafür, die komme aber nicht durch. Überhaupt seien überall Schutzausrüstungen Mangelware. Was besonders schwer wiege, denn durch die Region ziehe das Virus praktisch ungebremst und das von der Öffentlichkeit unbemerkt.“ (Zitat aus: Im Zillertal: „Verstorben nach kurzer, schwerer Krankheit“)


„Passage 2: Der Virus im Zillertal und im Hotel Gaspingerhof

Das Virus geht also tatsächlich um im Zillertal. So viel ist sicher. Noch in der Kronenzeitung vom 24.3 behauptet der Hotelier Franz Hörl aus Gerlos aber:

Mein Neffe, der in meinem Hotel arbeitet, wurde am 16. März in Innsbruck getestet. Am 17. März erhielten wir das positive Testergebnis. Bis dahin gab es im Zillertal keinen einzigen positiven Corona-Fall. Wir haben dann alle Gäste angeschrieben und auch die Mitarbeiter des Hotels informiert und teilweise unter Quarantäne gestellt.

Bis zum 16. März habe es keinen Corona-Fall gegeben. Das kann nicht stimmen: Ein Anstieg binnen zwei Wochen von 0 Fällen (so die Angabe Hörls für den 17. März) auf, Stand 29.März, 201 Personen, die an dem Virus erkrankt sind – so funktioniert die Verbreitung des Corona-Virus nicht.

Ein Schnelltest im kleinen Gerlos in zwei Stunden?

Der Arzt, den die Holländerin aufgesucht hat, hatte offenbar den begründeten Verdacht, dass es sich bei ihr um eine Corona-Infektion handle. Wie konnte dieser Verdacht innerhalb von zwei Stunden aus der Welt geschafft werden? Auf medizinisch korrekte Art und Weise sicherlich nicht. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass vor Ort sofort ein Test samt Labor bei der Hand war, ergibt sich eine Wartezeit von 4 bis 6 Stunden bis ein Ergebnis feststand.

Wurde die Schließung des Gaspingerhofs von Hörl binnen zwei Stunden also nicht aus medizinischen Gründen wieder aufgehoben, sondern aus anderen Gründen? Politischen oder wirtschaftlichen etwa? Bis zu einem Testergebnis hätte die Sperre des Hotels und der Seilbahn-Talstation mindestens aufrecht bleiben müssen. Sie aufzuheben kann also keine medizinischen Gründe (wie etwa ein negatives Testergebnis) gehabt haben. Wer hat da wann interveniert? Und mit welchen Argumenten? Da sind jedenfalls noch viele offene Fragen zu klären.“ (Zitat aus: „Im Zillertal: „Verstorben nach kurzer, schwerer Krankheit“)


Kurzkommentar

In den ersten beiden Absätzen des Textes fällt der Name von Franz Hörl gar nicht. Warum er sich dennoch von der „Omerta“ der Mafia im Tal – von der unsere Quelle gesprochen hat – angesprochen fühlt, kann er gerne im Zuge des Verfahrens darlegen. Wir sehen seinen Ausführungen mit Freude entgegen. In der zweiten Passage zitieren wir ausführlich aus einem Interview von Franz Hörl mit der Kronenzeitung, das hier und in unserem Ausgangstext vollständig verlinkt ist. Die Passagen können somit von den Leserinnen und Lesern nachkontrolliert werden. In der Folge stellen wir kritische Fragen zu den Ereignissen rund um die Schließung des „Gaspingerhofs„. Die findet Hörl geschickt formuliert. Deshalb müsse der Leser oder die Leserin diese als indirekte Tatsachenbehauptungen lesen, meint er. Das sehen wir anders. Fragen müssen erlaubt sein. Sollte das Gericht diesen Punkt allerdings als problematisch ansehen, so haben wir mittlerweile (unabhängig von der Anzeige) die Abläufe des 28. Februar 2020 in Gerlos recherchiert. Daher freuen wir uns, wenn die handelnden Personen vor Gericht unter Wahrheitspflicht dazu beitragen werden, die Wahrheit herauszufinden. Zu diesen Personen zählt dann auch der ÖVP-Politiker Franz Hörl selbst.


Mitteilung gemäß § 8a Abs 5 Mediengesetz


Zum Nachlesen: Einige unserer Recherchen zu Ischgl und Corona in Tirol

13. März 2020: Eine Quarantäne über Ischgl, die eigentlich keine Quarantäne war

Corona-Virus: „Österreich galt ja nicht als Risikogebiet!“ – Chronologie der Ereignisse in Tirol

Ein Koch aus Ischgl: „Die wollten uns nur los werden!“

Auf der schwarzen Liste in Ischgl

Coronavirus: „Die Ischgl-Mistsäcke wussten seit langem um massivste Verdachts-Fälle“

Die Spur des Geldes in Tirol

1 Kommentar

  1. Zusammenfassend kann man doch zu Ischgl und Sölden sagen, dass so ziemlich alles falsch gemacht hat, was gerade so möglich war. Fakt ist doch dass man bis zur letzten Minute Party gemacht hat, bis unser Held Platter die Notbremse gezogen und die Wintersaison beendet hat. Zum großen Missfallen von unserem ober Seilbahner Hörl .Ab dem beenden der Wintersaison dürfte wohl allen Beteiligten klar gewesen sein was Sache ist. Was machen die sie schicken die Gäste nach Hause die dort an die Quaratäne gehen sollen. Wie nett. A ja und das Personal schmeißt man sprichwörtlich aus dem Haus damit endlich Ruhe ist. Was die Ruhe vor dem Sturm ? Dann stellt sich unser Landes Fuzii vor die Kamera und erklärt das er alles richtig gemacht hat ja gehts noch ?

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