Heeresgeschichtliches Museum: Eine funktionsbereite Kanone MK66 in einem aufgetankten Panzer

Was der Rechnungshofbericht zum Heeresgeschichtlichen Museum (HGM) in Wien herausgefunden hat, liest sich in Summe noch schlimmer als befürchtet. Nicht nur, dass das finanzielle Gebahren undurchsichtig ist und dass die Besuchszahlen offenbar manipuliert wurden. Die Kontolleur*innen fanden auch unklare Ankaufspraktiken, Interessenskonflikte des Direktors und sie stellen einsatzbereite Waffen und Panzer (!) fest, die nicht inventarisiert sind. Das einzige staatliche Museum Österreichs, das im Arsenalgelände im dritten Wiener Gemeindebezirk liegt, wurde operativ wie ein privates Provinzmuseum geführt. In einem Fall hat das Museum Strafanzeige gegen einen Mitarbeiter gestellt, wegen der „unbefugten Innehabung von Kriegsmaterial“ . Eine Übersicht über die gravierendsten HGM-Skandale liefert Sebastian Reinfeldt.


So einen Verriss wie im Falle des Heeresgeschichtlichen Museum nach einer Rechnungshof-Prüfung hat es in der Zweiten Republik wohl noch nie gegeben. Das Geschäftsgebahren der Verantwortlichen ist chaotisch und abenteuerlich. Hinzu kommt, dass die Verantwortlichen auch fachlich versagt haben, denn 75 Jahre nach Kriegsende hat das Museum laut Rechnungshof „keinen gesamthaften Überblick“ darüber, was es eigentlich besitzt. Das ist deshalb besonders besorgniserregend, weil es dabei auch um einsatzbereites militärisches Gerät geht.

Der Direktor verkauft sich seine eigene Objekte

Es besteht zudem der Verdacht der persönlichen Bereicherung. So hat das Museum 54 Objekte seines Direktors (und seines Stellvertreters) angekauft und dafür keine Richtlinien befolgt oder definiert. Die Bezahlung erfolgte – entgegen geltender Vorgaben – in bar. Mit anderen Worten: Der Direktor des Museums hat offenbar von sich selbst Dinge angekauft, für die er sich aus der Kassa Geldscheine genommen hat.


Aus dem Rechnungshof Bericht, Seite 68

Wertvolle Objekte verschwinden unbemerkt

In einem Museum mit rund 1,2 Millionen Sammlungsobjekten verschwindet manchmal etwas. Solche Vorgänge gehören dokumentiert. Dass allerdings Teile eines Bestandes überhaupt „nicht mehr auffindbar“ sind, wie der Rechungshof beschreibt, ist bemerkenswert. Dabei verweisen sie auf so wertvolle Objekte wie drei Briefe von Egon Schiele aus dem Jahr 1918. Seit 2016 wissen drei Sammlungsleiter davon, dass die Briefe abgehen. Sie sollen aber den Direktor nicht eingeweiht haben.


Bericht des Rechnungshofs, Seite 63

 

 

 

 

 


Hinzu kommt, dass das HGM aktuell 3.000 Objekte verliehen hat und nicht so recht weiß, an wen. Auch hier fehle es an einem gesamthaften und aktuellen Überblick, so die Kritik des Rechnungshofs. Das Referat „Leihverkehr und Dependancen“  im Museum vermisste seit Jänner 2017 vier „demilitarisierte“ Sturmgewehre Typ 58. Die Referatsleitung hielt es allerdings nicht für nötig, das dem zuständigen Sammlungsleiter oder der Direkton zu melden. Mittlerweile sind die Stücke wieder aufgetaucht.

Unklare Anzahl an schweren, einsatzbereiten Waffen

Das HGM hat also „keine vollständigen Kenntnisse“ über Verluste im Bestand. Bei Stichproben in den Inventarlisten kamen die Prüferinnen und Prüfer auf Zahlen von 4 bis 8 Prozent  „unauffindbarer Objekte“ . Durch das Fehlen von entsprechenden Regelungen war es möglich, dass sieben Panzer – der Bericht spricht von „drei Schützenpanzer Saurer und vier Jagdpanzer Kürassier“ – nicht inventarisiert wurden. Es handelt sich dabei um Kriegsmaterial. Einige Depots des Museums sind laut Rechnungshof lediglich mit einem Vorhängeschloss gesichert worden.

Ein Beispiel: Am Garnisonsstandort Zwölfaxing in Niederösterreich lagerte das Museum in einem betriebsbereiten Schützenpanzer unter anderem eine funktionsfähige Maschinenkanone vom Typ MK66.


Bericht des Rechnungshofs, Seite 76

 

 

 

 

 


In seiner Reaktion auf die Kritik des Rechnungshofs meint das Museum übrigens, dass das Betanken des Panzers aus konservatorischen Gründen nötig sei. Benzin im Tank sei ein Rostschutz. Und mit der MK66 habe man gar nicht mehr richtig feuern können.

Am selben Standort lagerten überdies „Panzerersatzteile unbekannter Herkunft“ in Bunkern, zu denen nur ein einzelner Mitarbeiter die Schlüssel besaß.

Gegen diesen Mitarbeiter stellte das HGM nun eine Strafanzeige wegen des Verdachts der „unbefugten Innehabung von Kriegsmaterial“ . Denn die Direktion will von all dem nichts gewusst haben.

Was ist der Sinn davon, Panzerteile extern zu lagern? Wurden diese Panzerersatzteile etwa illegalerweise verkauft oder eingetauscht?

Rechte Militariafans – oder ein kriminelles Netzwerk?

Mitarbeiter des Museums handelten also möglicherweise mit Kriegswaffen. Dazu zählen auch funktionsfähige Maschinenkanonen und Schützenpanzer. Was der Bericht nicht erwähnt: Die betreffenden Mitarbeiter des Museums kommen direkt aus dem rechtsextremen FPÖ- und Burschenschaftsmilieu. Nicht zuletzt sei als Beispiel der von Semiosis recherchierte HGM-Mitarbeiter mit dem Wikipdia-Pseudonym Pappenheim genannt.

Was hatten diese Männer mit den Waffen vor, die ihnen anvertraut wurden? Handelt es sich dabei um ein Netzwerk von rechten Militärfans im Museum, die auf Staatskosten ihren ideologischen Vorlieben und monitären Interessen nachgegangen sind? Oder ist da noch mehr?

Der Herr über die Panzer: ein rechtsrechter Burschenschaftler

Nehmen wir ein weiteres Beispiel: Bei dem Mitarbeiter, gegen den das Museum Strafanzeige gestellt hat, dürfte es sich um den sogenannten „Waffenreferenten“ handeln, der ein bekannter Panzernarr ist. Vor einem Jahr berichteten dem damaligen Kurier-Journalisten  Christoph Schattleitner Personen aus dem Umfeld des Museums über die Gefahr der Panzerhalle im Museum:

Dort stehen vollbetankte Panzer fahrbereit herum. Da muss sich nur einer auskennen und ausbüxen.

Dieser Mitarbeiter ist Burschenschafter der rechtsextremen Olympia und er habe in der Belegschaft gern mit seinen Kontakten zu FPÖ-Politikern geprahlt. So berichteten dem Journalisten Personen aus dem Museum. Der Waffenreferent ist aber nicht der einzige aus diesem Milieu: Museumsdirektor Christian Ortner kam unter Schwarz-Blau I 2004 auf einem FPÖ-Ticket an seinen Job. Er promovierte bei dem einschlägig bekannten Lothar Höbelt übrigens erst, nachdem er bereits als Direktor des Museums bestellt worden war. Der heimliche Wikipedia-Autor Pappenheim hat denselben Doktorvater und er ist ebenfalls rechter Buschenschafter.

Es stellt sich somit die Frage: Sind das wirklich nur große Buben, die in ihrer Arbeitszeit und Freizeit gerne mit echten Panzern spielen?

1 Kommentar

  1. In Österreich sagt man dass der Fisch am Kopf zu stinken anfangt, vielleicht war das hier genau das Problem. Wenn die zuständigen Mitarbeiter nicht bereit sind, das Management über fehlendes Inventar oder sonstige Misständge zu informieren, so sind sie entweder stinkfaul und das mit Duldung der von Oben oder die von Oben sind absolut inkompetent.

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