Um Gottes willen – “Human Relief” im Dunstkreis der Muslimbrüderschaft

Bawag-Spende für Human Relief

Eine Wiener Nichtregierungsorganisation sammelt Spenden für Hilfsprojekte im Nahen Osten. Bei zwei Veranstaltungen zumindest wird sie dabei durch einen SPÖ-Gemeinderat unterstützt. Wie das aktuelle profil berichtet, kooperierte die vor allem aus Exil-Syrern bestehende Organisation Human Relief in der Syrien-Hilfe vor Ort mit einer Organisation, die Kontakte zu islamistischen Gruppen hat. Was auf den ersten Blick wie ein Missgeschick wirkt, muss kein Zufall gewesen sein. Eine weiterführende Recherche von unserem Gastautor David Kirsch.


Es beginnt mit der profil-Story: Unterstützt österreichische NGO jihadistischen Kampftruppen?

Es ist Wahlkampf in Österreich. Davon weiß vor allem die österreichische Sozialdemokratie ein Lied zu singen. Kaum eine Woche vergeht ohne neue Schlagzeile. Eine weitere Enthüllung fand bisher allerdings eine vergleichsweise geringe Bedeutung. Es geht um die Verbindungen des Wiener SPÖ-Gemeinderates Omar Al-Rawi mit der Hilfsorganisation Human Relief.

Wie das Nachrichtenmagazin profil in seiner Ausgabe vom vergangenen Montag berichtet hat, kooperierte die Wiener NGO Human Relief bei Hilfslieferungen in Syrien mit einer dubiosen Organisation. Die in Istanbul angesiedelte “Higher Commission for Syrian Relief”, soll laut profil eine Nähe zum syrischen Ableger der islamistischen Muslimbruderschaft haben. Mehr noch soll Human Relief indirekt auch Kampftruppen mit Hilfsgütern beliefert haben: Nicht nur Hilfsgüter, sondern auch militärische Kleidung sollen finanziert worden sein. Die belieferten Jihadisten stehen der Ahrar-al-Sham nahe, einer der größten jihadistischen Kampftruppen in Syrien. Human Relief leugnet die Zusammenarbeit mit der “Commission” nicht, spricht aber von einem “einmaligen Ereignis aus dem Jahr 2012”.

Erwähnung findet auch der aus dem Irak stammende SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi, mit dem “Human Relief” zusammenarbeitet. Dieser gab auf Anfrage vom profil bekannt, dass er sich “persönlich beim besten Willen nicht vorstellen (könne), dass sie wissentlich Kontakte zu dschihadistischen Gruppen unterhalten.”

Was auf den ersten Blick wie ein argloses Versehen wirkt, erscheint bei genauerer Recherche in anderem Licht.

Was steckt hinter “Human Relief”?

Der Bürgerkrieg in Syrien nähert sich mit unaufhörlichen Schritten seinem achten Jahr. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte identifiziert mittlerweile mehr als 300.000 Opfer als Resultat des Krieges, davon mehr als 97.000 Zivilisten. Die UNO zählt über 13,5 Millionen Syrer, welche humanitäre Hilfe benötigen – davon seien 6 Millionen innerhalb Syriens und fünf Millionen außerhalb Syriens auf der Flucht.

Rund um die Welt organisiert man Spendenaktionen, um den Leidtragenden des Konflikts zur Hilfe zu eilen: In den anliegenden Nachbarstaaten Syriens und in Syrien selbst.

Quelle: http://humanrelief.at/de/Projects/annual-reports/
SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl und Hameed Ahmed, 1.v.l. & 1.v.r.

Nicht selten sind es Exilanten, welche sich zusammenfinden, um gemeinsam zu helfen.
Human Relief ist eine davon. 2003 im Zuge des Irakkriegs in Wien gegründet, hieß “Human Relief” damals noch “Irakhilfswerk”. Die Homepage “Irakhilfswerk.at” leitet heute automatisch auf die von Human Relief weiter.

Gibt es eine wissentliche Kooperation?

Um Professionalität und Seriösität bemüht, veröffentlicht man Jahresberichte und präsentiert das österreichische Spendengütesiegel unübersehbar auf der Homepage. Merkwürdig erscheinen dann die Nachrichten über angebliche Kontakte zu einer jihadistischen Organisation in Syrien. Wie ist das möglich?

Auf Anfrage von Semiosis gibt die österreichische Nahostexpertin Petra Ramsauer, die selbst Syrien bereist hat, zu bedenken, dass es

unvermeidlich ist, ohne die Patronage einer Kriegspartei Syrien überhaupt betreten zu können. Das gilt für Journalisten wie auch für Hilfsorganisationen gleichermaßen. Gerade zwischen den Jahren 2011 und 2013 bestand ein riesengroßes Netzwerk von Hilfsorganisationen in Österreich und Deutschland, die natürlich mit den Milizen vor Ort in Kontakt waren.
Ich sehe es als notwendiges Übel an, als Hilfsorganisation auf einer logistischen Ebene mit islamistischen Milizen wie Ahrar al-Sham zu koordinieren, um der Bevölkerung zu helfen. Problematisch wird es dann, wenn Gelder für Waffenlieferungen oder militärische Kampfausrüstung benutzt werden.

Letzteres ist es auch, was Human Relief vorgeworfen wird.

In der Einstufung der Miliz Ahrar al-Sham als terroristische Organisation hat Europa noch zu keiner einheitlichen Regelung gefunden: Dennoch wurden in Deutschland zuletzt vier Personen schuldig gesprochen, Ahrar al-Sham u.a. finanziell unterstützt zu haben. Über 130.000 Euro sollen zwischen 2013 und 2014 in Form von militärischer Kampfausrüstung an die jihadistische Miliz geflossen sein. Der Schuldspruch lautete: Unterstützung einer jihadistischen Terrororganisation.

Um eine Hilfsorganisation zu betreiben, muss man mit den jeweils herrschenden Organisationen koalieren, um im Gebiet – in welcher Weise auch immer – tätig zu werden. Dies gilt auch dann, wenn es sich um Milizen handelt, die der gefährlichen Ideologie des Jihadismus folgen.

Tu Gutes und sprich darüber!

“Der Jihadismus als spezielle Form des politischen Islam ist historisch aus der islamistischen Muslimbruderschaft entstanden”, erklären Heiko Heinisch (Historiker und Projektleiter am Institut für Islamische Studien der Universität Wien) und Nina Scholz (Politikwissenschaftlerin), Autoren von mehreren Büchern, die sich auch mit dem politischen Islam befassen.

Die Muslimbruderschaft gilt als älteste islamistische Organisation der Welt. Ziel der Bruderschaft war von Anfang an die Umgestaltung von Staat und Gesellschaft nach islamischen Kriterien, oder kurz gesagt, ein islamischer Staat. Im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte durchlief sie Phasen der Legalität und solche der Illegalität. Für ihre Ziele griffen Teile der Bruderschaft auch immer wieder zu Gewalt und Terrorismus.

Tu Gutes und sprich darüber!”, so bringen sie das Motto der Muslimbruderschaft  Semiosis gegenüber auf den Punkt.

Hilfe aus dem Exil

Quelle: Facebook
Ahmed Hameed, Präsident von Human Relief

Laut Vereinsregisterauszug von Human Relief (ZVR-Zahl 632292624) wirkt Ahmed Hameed als Präsident der NGO. Auf der Facebookseite von Human Relief lassen sich mehrere Fotos finden, auf denen er bei einer Hilfsaktion vermutlich nahe der libanesischen Stadt Bire zu sehen ist. Außerdem ist er neben seiner Tätigkeit als Präsident von Human Relief auch Obmann des “Islamischen Koordinationsrates” (ISKORAT – VRZ: 923201109), dessen Logo ebenfalls auf den Fotos der Hilfsaktion zu erkennen ist.

Auf den Paketen der Hilfslieferung taucht auch das Logo des “österreichischen Koordinationsrates zur Unterstützung der syrischen Revolution” auf. Human Relief scheint auch mit diesem eng zusammenzuarbeiten. Laut Vereinsregisterauszug (ZVR 434551342) ist Badran Bacha Farwati Obmann-Stellvertreter des seit 2012 existierenden Koordinationsrates.

Quelle: Facebook
Badran Bacha Farwati in T-Shirts von Human Relief, 1.v.links

Man findet Fotos mit ihm in Human-Relief Kleidung, vermutlich bei einer weiteren Hilfsaktion. Der Obmann-Stellvertreter des Koordinationsrates scheint ebenfalls ein Unterstützer von Human Relief zu sein.

Anhänger des “Österreich-Koordinationsrat zur Unterstützung der Syrischen Revolution” fielen erst kürzlich bei einer Demonstration in Wien durch das Zeigen des R4bia-Zeichens auf, wie Vice.com berichtet hat.

Quelle: privat
“Unter dem R4bia-Zeichen”, so Petra Ramsauer in ihrem Buch über die Muslimbruderschaft, “versucht sich die Muslimbruderschaft heute als Hüterin der demokratischen Ordnung zu präsentieren.”

 

Virulenter Antisemitismus der Muslimbrüderschaft

Der ideologische Vordenker der ägyptischen Muslimbruderschaft, Sayyid Qutb’. ist allerdings weniger für sein demokratisches Engagement, als für seinen virulenten Antisemitismus bekannt. In seinem 1950 veröffentlichtem Aufsatz “Unser Kampf mit den Juden” erklärt er die Juden zu Verschwörern gegen den Islam. Außerdem deklariert Qutb’ den Holocaust als Werk Allahs und begrüßt darin die industrielle Judenvernichtung.

Sayyid Qutbs Werk hat bis heute maßgeblichen Einfluss auf die Ideologie des radikalen Islamismus. Antisemitismus, aber auch Antiamerikanismus sind u.a. durch Qutb’s Schriften in diesen Kreisen salonfähig geworden. Eine Plattform dafür bietet die Seite “Zeit-zum-Aufwachen.de”. Wie ein Facebookposting zeigt, scheint der Präsident von Human Relief zumindest kein Problem mit antiamerikanischen Verschwörungstheorien zu haben.

Facebookposting 9/11
Hameed Ahmed Facebookposting zu 9/11

Unter Brüdern

Das scheint kein Ausrutscher gewesen zu sein. Der Präsident von Human Relief teilt außerdem auf seiner Facebookseite eine Petition, welche sich mit dem indischstämmigen, islamischen Prediger Zakir Naik solidarisiert. Darin werden Indien, Bangladesh und Kanada aufgefordert, ihr kürzlich verhängtes Auftrittsverbot für den Prediger wieder aufzuheben.

Gründe für das Auftrittsverbot findet man reichlich – für diese äußerst fragwürdige Solidarisierung hingegen keine. Nachdem 2015 ein tödlicher Terroranschlag in Bangladesch verübt worden war, geriet der islamische Prediger Zakir Naik ins Visier der Behörden. Einer der Attentäter hatte vor Verübung des Anschlags Naiks Predigt, welche er Osama Bin Laden gewidmet hatte, lobend zitiert.
Naik grenzt sich zwar vom Islamischen Staat ab, befürwortet allerdings viele seiner Regierungspraktiken: Er sieht Musik und Alkohol als teuflische Werke, befürwortet die Haltung von Frauen als Sexsklavinnen, fordert die Todesstrafe für vom Islam Abtrünnige und das Abhacken der Hand als Strafe für Diebstahl.

Quelle: Facebook
Kinder

Dass sich Ahmed Hameed mit einem fundamentalistischen Prediger wie Zakir Naik solidarisiert, gibt für den Präsidenten einer “Vorzeige-NGO” kein besonders gutes Bild ab. Auch der Geschäftsführer von Human Relief, Ahmed Elmatbouly, hält mit seiner Weltanschauung nicht hinter dem Berg. Auf seinem Facebook-Titelbild sind Kleinkinder in streng orthodoxer Verschleierung abgebildet.

Es wird sich immer weiter vernetzt

Fundamentalistische Prediger, verhüllte Kleinkinder – die Mitarbeiter von Human Relief vertreten krude Ansichten. Doch auch weitere Aktivitäten ihrer Kooperationspartner ­des bereits erwähnten “Österreich-Koordinationsrat zur Unterstützung der syrischen Revolution” ­sprechen leider eine deutliche Sprache. Dieser hält seine Vernetzungstreffen laut eigener Angabe laufend in der Greiseneckerstraße 10, im 20. Wiener Gemeindebezirk ab – in den Räumlichkeiten der Organisation “Jugend – Liga Kultur”.

Es gibt zwei große Strömungen in der Bruderschaft, jene aus Syrien und jene aus Ägypten. Die Syrer gibt es in Österreich schon sehr lange, bekannt ist etwa Anas Schakfeh oder die Liga Kultur (Verein für multikulturellen Brückenbau) in Graz und Wien,

sagte Lorenzo Vidino, Autor zahlreicher Studien über die Muslimbruderschaft, im Interview mit dem Kurier. “Österreich ist eine gute Basis für Muslimbrüder!

Auch Petra Ramsauer beschreibt die Liga Kultur in ihrem 2014 erschienenen Buch über das “globale Netzwerk der Muslimbrüder” als wichtigen Anlaufpunkt für die österreichische Muslimbruderschaft:

Der Verein fungiert als ‘Hilfsbotschaft’ für Ägypter, die der Muslimbruderschaft nahestehen und jetzt Angst haben sich an die Botschaft zu wenden, wenn sie Hilfe brauchen.

Gerade nach dem Sturz des ägyptischen Muslimbruders Mohammed Mursi, suchten viele Exil-Ägypter in Räumlichkeiten islamischer Vereine Zuflucht.

Außerdem ist die Liga Kultur ein religiöses Zentrum, eine ‘Paramoschee’ – und somit als sozialer Treffpunkt, als Zentrum für Erwachsenenbildung und Gebetsraum ein Paradebeispiel für die Funktionsweise eines Stützpunktes des Bruderschafts-Netzwerks.

Das religiöse Zentrum Liga Kultur

Auch der Mitbegründer von “Liga Kultur”, Aiman Morad, ist ein Syrer im österreichischen Exil. Er wurde mit Beginn der 1990er Jahre in der Hidaya-Moschee in Wien-Leopoldstadt tätig, berichtete die Wiener Zeitung.
Diese wurde zuletzt durch den prominenten Imam Adnan Ibrahim
bekannt. Über den aus Palästina stammenden Vorbeter weiß man, dass er in mehreren Predigten die “Märtyrer” in Palästina glorifzierte. Rund um das Jahr 2000 trennte sich die Hidaya-Moschee von Ibrahim. Eine Anzeige aus 2006 wegen Volksverhetzung wurde einst mit der Begründung zurückgewiesen, Ibrahim sei „aus dem Zusammenhang gerissen“ zitiert worden. Carla Amina Baghajati, die heutige Medienbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), verteidigte Ibrahim damals als einen „Gelehrten“, der „weit über Österreich hinaus einen ausgezeichneten Ruf wegen seiner aufgeklärten und liberalen Haltung“ genieße.

Als 2013 der ägyptische Muslimbruder Mohamed Mursi an die Macht kam, bekannte sich der Liga-Kultur-Mitbegründer Jamal Morad gegenüber einem ägyptischen Fernsehsender sogar offiziell zur Muslimbruderschaft. Heute bietet die “Liga Kultur” auf ihrer Homepage unter der Kategorie “Projekte” Arabischkurse an, in denen man “möglichst viel über den Islam ins Deutsche übersetzen “ werde. In erster Linie wolle man dabei “einige Broschüren der “Federation Islamischer Organisation in Europa” ins Deutsche übersetzen. Die FIOE gilt bei ExpertInnen als der europäische Dachverband der Muslimbruderschaft.

Der ägyptische Fraktionsführer der Muslimbrüderschaft in Wien

Liga Kultur” pflegt außerdem prominente Kontakte ins Ausland. 2007 lud man den damaligen Fraktionsführer der Muslimbruderschaft im ägyptischen Parlament, Mohammad Al Katatny, nach Wien ein. Während seiner Laudatio durfte er sich als lupenreiner Demokrat präsentieren.
Auch in Österreich reichen die Verbindungen der “Liga Kultur” bis in die höchsten politischen Repräsentationsstätten der Muslime: Als der ägyptische Fraktionsführer eingeladen wurde, konnte der “Liga Kultur”-Mitbegründer Aiman Morad Finanzdirektor der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) sein. Die IRPA war zu diesem Zeitpunkt die Ausbildungsstätte islamischer Religionslehrer der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Daraufhin folgte eine  öffentliche Debatte darüber, ob die offizielle Vertretung der Muslime in Österreich durch Muslimbrüder unterwandert worden sei.

Weitere Vernetzungen: IMÖ und Human Relief

Der SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi, früher Integrationsbeauftragter der IGGiÖ, sprach damals von “Verschwörungstheorien”. Seitdem hat sich viel getan. Al-Rawi ist zwar nicht mehr bei der IGGiÖ angestellt, dafür hat er 1999 die “Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen” (IMÖ) mitgegründet. Er ist mit einer der größten Förderer von Human Relief. So taucht auch das Logo seiner “IMÖ” auf den Kartons der Hilfslieferungen nach Syrien auf.

 

Screenshot des Logos: http://gegen-unmenschlichkeit.at/wordpress/wp-content/gallery/partnerorganisationen/imoeneu.jpg
Zum Vergleich: Hier das originale Logo

Omar al-Rawi ist sehr engagiert. Nicht nur taucht das Logo der IMÖ auf den Kartons von Human Relief auf – al-Rawi ist auch gern gesehener Gast auf Veranstaltungen der bereits erwähnten “Liga-Kultur”. Zum Beispiel, als das Projekt “Schritt in Österreich”, das Liga Kultur 2015 im Rahmen der Flüchtlingshilfe ins Leben gerufen hatte, kam er persönlich, um seine Glückwünsche auszusprechen.

Wie gut man sich kennt, zeigt ein anderes Beispiel: Omar Al-Rawi und Human Relief-Präsident Ahmed Hameed traten beide in der Vergangenheit mit dem bereits erwähnten Scheich Adnan Ibrahim auf. Als später bekannt wurde, dass Ibrahim Israel als “Bestie” bezeichnet hatte, musste sich Ibrahim auf der Homepage der IMÖ für seinen Antisemitismus rechtfertigen.

Zusammenarbeit mit BAWAG PSK und Strabag

In welcher Form Omar al-Rawi Human Relief wirklich unterstützte, ist nicht zur Gänze geklärt. Jedenfalls organisierte der SPÖ-Gemeinderat mehrere Kampagnen für Human Relief – u.a. mit der SPÖ & der Strabag. Auch trat er als persönlicher SPÖ-Sponsor auf. Auf dem Ankündigungsflyer für ein Live-Konzert im Haus der Begegnung Donaustadt im Mai 2017 erscheint neben Al-Rawis Konterfei und dem Reisebüro “Sky Danubia”, deren Geschäftsführer auch der Präsident von Human Relief ist, ein weiterer Großsponsor: die BAWAG PSK.

Die Zusammenarbeit mit der BAWAG scheint kein einmaliges Sponsoring gewesen zu sein. Eine Werbeeinschaltung auf der Homepage von Human Relief verspricht Außergewöhnliches. Im Zeitraum zwischen 5.5. bis 31.7.2017 war es möglich, mittels Eröffnung eines “BUDGET-Kontos” Human Relief direkt zu unterstützen:

Die Bawag P.S.K. unterstützt den Verein Human Relief mit einer Spende von €10 pro neu eröffnetem BAWAG Konto.

BAWAG rühmt sich mit dem ernstgemeinten Zusatz: “Das verlässliche Konto ohne Überraschung.” Wie das profil berichtete, war das Konto von Human Relief, welches im Zusammenhang mit der Higher Commission for Syrian Relief und Ahrar al-Sham auftauchte, ebenfalls ein Bawag-Konto.

Bawag-Spende für Human Relief
http://humanrelief.at/de/budget-konto/

 

Man kennt sich vom Wegschauen

Seit der Veröffentlichung der “profil”-Story ist nicht viel passiert. Human Relief-Förderer Omar Al-Rawi dementierte, von einer möglichen Finanzierung jihadistischer Milizen gewusst zu haben. Darüber, ob er wusste, dass die “Higher Commission for Syrian Relief” – mit der Human Relief in Syrien kooperierte – Verbindungen zur islamistischen Muslimbruderschaft hat, stand allerdings nichts geschrieben.

Auf Anfrage von Semiosis teilte Al-Rawi schließlich mit, dass er lediglich “einen Konzertabend, sowie ein Fußballturnier” von Human Relief unterstützt habe. Mit mit dem Sponsoring der BAWAG P.S.K., habe er nichts zu tun gehabt. Die dubiose Higher Commission for Syrian Relief war ihm “bisher kein Begriff” – Verbindungen der Commission” zu “Human Relief kenne er laut eigener Angabe “keine”. Sowohl Human Relief-Präsident Ahmed Hameed, als auch Vertreter von Liga Kultur haben auf die Bitte um eine Stellungnahme nicht reagiert.

Wir müssen festhalten: Muslimbrüder bauen keine Bomben, sitzen aber mit Organisationen zusammen, die Bomben bauen und den Terrorismus finanzieren”, sagt Muslimbruderschaft-Experte Steve Merley im Interview mit dem Kurier.

Human Relief wirkt äußerst gut vernetzt: Mit einem in religiösen Kreisen gern gesehenen SPÖ-Gemeinderat, mit der viertgrößten Bank Österreichs und mit der Muslimbruderschaft. Ihre Mitarbeiter hegen krude Ansichten und engagieren sich in äußerst problematischen Vereinen. Eine “Vorzeige-NGO”, wie “profil” sie nennt, ist das jedenfalls nicht.
Doch in Österreich gilt stets: Man kennt sich vom Wegschauen.

Erst kürzlich geriet der enge Freund des SPÖ-Gemeinderats, Tarafa Baghajati, mit dem er die “IMÖ” mitaufgebaut hat, unter Kritik. Baghajati hatte auf einer mit ihm verbundenen Homepage gleich mehrere dubiose Organisationen verlinkt. Darunter fiel auch eine türkische Hilfsorganisation, welcher der Hamas nahesteht, dem palästinensischen Ableger der Muslimbruderschaft.

Klagsdrohungen gegen Kritik

Auf Nachfrage ließ Baghajati damals wissen, dass seine Ansichten “zu 100% konträr zu jenen der Muslimbruderschaft” stünden – und drohte gleichzeitig gegen jede anders lautende Aussage gerichtlich vorzugehen. So ergeht es vielen, welche über islamistische Organisationen in Österreich forschen und dabei dubiose Kooperationen aufdecken: Seit Petra Ramsauer aufgrund ihres Buches über die Muslimbruderschaft von Mitarbeitern der Liga Kultur Klagedrohungen in Millionenhöhe erhalten hat, musste sie ihre Recherchen beenden.

Als vergangene Woche die Nachricht rund um eine mögliche ausländische Finanzierung der Imam-Hatip-Schule in Wien-Liesing mediale Wellen schlug, forderte Wien Bürgermeister Michael Häupl die sofortige Schließung der Imam-Schule. Langjährige Kooperationen zu hinterfragen, kann oft schmerzhaft sein.
Die Frage, wer die Empfänger der Spendengelder von Human Relief waren, sollte trotzdem gestellt werden.

4 Kommentare

  1. Der hier genannte Prediger der Schura Moschee – Adnan Ibrahim – sagte bei einer seiner Predigten. “Juden sind von Allah verflucht, unfähig zu guten Taten und Fälscher der heiligen Schriften” (Video dazu vorhanden). Trotz dieser klar antisemitischen Aussage, gab es dafür kein juristisches Nachspiel und die IGGIÖ verteidigt ihn mit allen möglichen Tricks.

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