Sind Sebastian Kurz und die ÖVP erpressbar?

Unterlagen, die die Rechercheplattformen Fass ohne Boden und die EU-Infothek zu den vermuteten Hintermännern des Ibiza-Videos jüngst veröffentlichten, zeigen vor allem: Es sind noch Dokumente im Umlauf. Sie könnten Belastendes enthalten. Die Tatsache allerdings, dass sie tröpfchenweise veröffentlicht werden, lässt einen Verdacht aufkommen: dass damit Droh-Botschaften an Sebastian Kurz und die ÖVP gesendet werden. Eine Zusammenschau von Sebastian Reinfeldt und dem Semiois-Netzwerk.


Infothek: Der Detektiv J.H. sei ein Drogendealer, Waffenhändler und Veranstalter zwielichtiger Szene-Partys

In ihrer Zwischenbilanz nach 90 Tagen Recherchen behauptet die EU-Infothek aufgrund handschriftlicher Dokumente: Der Detektiv J.H., der im Video den Begleiter der russischen Oligarchennichte spielte, habe eine Hanf-Plantage betreiben wollen, mit Waffen handeln und habe zwielichtige Szenepartys veranstaltet. Das mag ja so sein, bringt aber keine direkte Aufklärung zum Ibiza-Video. Interessant ist indes folgende Frage, die die Infothek stellt:

Die Frage, wie stark J.H. mit dem BVT oder dem Innenministerium aus seinen früheren Tätigkeiten für diese beiden heute noch geschützt wird, steht im Raum.

FoB: Ibiza-Hintermänner ermittelten für LKA, BKA und Finanzpolizei

Eine Antwort darauf versucht die Plattform Fass ohne Boden. Sie ist politisch ähnlich zu verorten wie die Infothek. Gerade hat sie eine Reihe von Dokumenten vorgelegt, die belegen sollen, dass die Ibiza-Hintermänner mit ihrer damaligen Firma Die Gruppe Sicherheit GmbH von 2011 bis Ende 2014 verdeckte Operationen über Drogen- und Tabakschmuggel für einen Tabakkonzern durchgeführt haben. Bekannt sind Monatsberichte an den Konzern und Projektanbote. Darin werden gute Kontakte zum LKA Salzburg, zum Bundeskriminalamt und regelmäßige Kontakte zur Finanzpolizei behauptet.

Im Hintergrund: Die Gruppe Sicherheit GmbH

Um diese Firma, die die Dokumente erstellte und mutmaßlich mit Ibiza-Methoden arbeitete, rankt sich ein Dickicht aus Gerüchten, Fakten und wechselseitigen Anschuldigungen der handelnden Personen. Gerichtlich (und im Firmenbuch dokumentiert) ist, dass die Firma in all den Jahren einen soliden Bilanzgewinn meldete.

Jahresabschluss 2010: Die Gruppe

Und urplötzlich, Ende April 2015, in Insolvenz ging. Ihr Geschäftsführer, Sascha Wandl, erstattete später wegen Spionage Selbstanzeige. Dieser Vorwurf wurde allerdings nicht weiter verfogt. Stattdessen klagte ihn die Staatsanwaltschaft an: wegen Verleumdung, Vortäuschung von Straftaten, Gläubigerschädigung, betrügerische Krida und schwerem gewerbsmäßigen Betrug. Der erste Prozesstag im Juni 2019 platzte. Der Prozess wird nun im Herbst 2019 begonnen.

Woher kommen die ganzen Dokumente?

Die Mittel von Rechercheplattformen sind begrenzt. Sie – wie wir – sind darauf angewiesen, dass Informationen zugesteckt werden. Die jüngste Veröffentlichung von Fass ohne Boden lässt die Frage aufkommen: Wer steckt Informationen zu? Wer hat ein Interesse an der Veröffentlichung? Wer hat überhaupt Zugang zu solchen Dokumenten?

Offenbar soll der öffentliche Eindruck erweckt werden, dass es da noch belastendes Material gegen eine Reihe von Personen gibt. Ist das ein Bluff? Soll vielleicht ein Signal ausgesendet werden: Wir wissen, wer bereits vor Veröffentlichung des Videos von diesem Kenntnis hatte. Der Adressat einer solchen Botschaft scheint klar zu sein. Es handelt sich um die ÖVP und Sebastian Kurz. Bleibt da etwas in der Hinterhand, um gegebenenfalls eine FPÖ-gewogene Koalitionsentscheidung herbeizuführen?


Lestipp: Die Chronologie der Ibiza-Affäre. Eine Semiosis-Recherche.


Bildinfo: Die Gruppe Sicherheit-Projekt „Mezzo“. Netzwekanalyse. Quelle: Fass ohne Boden

 

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