Die ungestellte Frage an den Tiroler Landeshauptmann Platter

Die Tiroler Landesregierung lenke ein, hieß es. Auf einer Video-Pressekonferenz in der vergangenen Woche hatte Landeshauptmann Platter die Frage der ZDF-Korrespondentin Britta Hilpert mit der Begründung abgelehnt, dass er nur Fragen Tiroler Medien beantworte. Es war natürlich eine kritische Frage, die sie stellte. Die ihm nicht behagte. Daraufhin schrieb Hilpert einen nachdenklichen Beitrag für den ZDF-Blog. Titel: Eine Krise des Vertrauens. Tenor: Die Politik könne nicht entscheiden, welche Fragen ihr behagen. Ansonsten drohe Vertrauensverlust. Nun wusste halb Deutschland von den Tiroler Verhältnissen, was auch nicht gut ist. Also Kommando zurück. Seit diesem Wochenende „dürfen“ auch „Nicht-Tiroler Medien“ Fragen stellen, die sie allerdings vorab der Tiroler APA (die österreichische Presseagentur) per Mail zusenden müssen. Diese „kuratiere“ dann. Heute, am Montag, wurde diese österreichische Lösung das erste Mal praktiziert. Sebastian Reinfeldt hat sie mit einer Frage ausprobiert. Spoiler: Es funktioniert nicht.


Ich bin Frühaufsteher. Daher sendete ich bereits um 7:57 Uhr folgende Mail an die APA in Tirol. Wie ausgemacht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vielen Dank, dass ihr es übernehmt, Fragen bei der heutigen Pressekonferenenz von LH Platter einzubringen. Wir recherchieren seit zwei Wochen intensiv zu den Vorgängen rund um den Umgang mit den Corona-Infektionen in Ischgl und Tirol. Meine Frage hat den folgenden Hintergrund:

Das Mess- und Beratungsunternehmens umlaut hat gestern Trackingdaten von potentiell Infizierten veröffentlicht, die vom 1. bis 14. März von Ischgl weggereist sind. Daraus geht hervor: Die höchste Reisedichte zeigt die Analyse in Österreich, der Schweiz, in der Straßburg-Region und in München und Stuttgart auf. In Skandinavien waren die Hauptziele Oslo, die Region um Helsinki und Örebro.

Soweit also der Kontext. Nun die Frage(n)

  • Wie kommentieren Sie das Resultat dieser Auswertung, dass von Ischgl ausgehend Tausende potentiell Infizierte das Virus in Europa verteilt haben?

  • Und: Könnten diese Daten nicht auch für die allfällige Aufklärung der Infektionswege innerhalb Tirols und Österreichs nützlich sein? Planen Sie, diese Daten anzufordern und auszuwerten?

Der Weg des Virus von Ischgl durch Europa. Quelle: Die Welt

Die Fragen wurden erst gar nicht gestellt. Denn die APA hat sie offenbar wegkuratiert. Warum auch immer. Immerhin wurde eine von Britta Hilpert vorgelesen. Es sei ihr vergönnt. Nur hat sie nix davon, denn die Antwort von Platter war völlig nichtssagend. Sie wollte wissen, wann genau und wer genau von den isländischen Infizierten erfahren habe. Offiziell bekannt war diese Tatsache nämlich seit dem 4. März. Der Landeshauptmann meinte, er könne jetzt nicht über Details reden.

Ehrlich gesagt saß ich mit offenem Mund vor meinem Computer, wo ich den Stream mit dieser skurrilen Darstellung verfolgte, die sie in Tirol eine Pressekonferenz nennen. Wenn nicht dort, wo sonst bitteschön sollte eine Regierung über Details Ihres Regierungshandelns öffentlich Rede und Antwort stehen?

Die Tiroler Politik ist wirklich seltsam. Ich schwanke zwischen seltsam komisch und seltsam erschreckend. Momentan tendiere ich zu letzerem.

3 Kommentare

    1. Im Land gibt es durchaus kritische Sichtweisen. Viele sogar. Sie berichten aber, dass sie sich nicht trauen, offen zu sprechen. Weil sie soziale und wirtschaftliche Sanktionen befürchten. Es herrsche eine Art „Omerta“ im Land.

      Alles bekannt aus dem ehemaligen Prölllager in Niederösterreich.

  1. Ehrlich gesagt ist das ganze völlig einfach. Wir habe eine schwarze Landesregierung und die macht bitte schön kein e Fehler. Wenn wie in Ischgl und Sölden wird man diese sicher nicht zugeben. Ein Landessanitätsdirektor der in der Corona Krise eigentlich nur Mist gebaut hat und ein Gesundheitslandesrat Tilg der wie den Boss immer den gleichen Satz herunterbetet ich habe nichts falsch gemacht gehört höflich gesagt weg entsorgt, abberufen usw. usw.

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