#ischglfiles 5. März 2020: Damit wäre Ischgl aus dem Schussfeld

Der 5. März 2020 hat als wichtigstes Ereignis eine Pressemeldung, die gegen 18 Uhr von der Tiroler Landesregierung veröffentlicht wurde. Ihr Inhalt: In Ischgl gebe es keine COVID19-Infektionen. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Die Verantwortlichen kannten bei Veröffentlichung die anderlautenden Tatsachen bereits. Sie stellten das Ganze aber öffentlich anders dar. Ihr Ziel: Ischgl aus dem Schussfeld zu bringen. So schlägt es jedenfalls der Landecker Bezirkshauptmann Markus Maaß in einer Mail vor Veröffentlichung der Presseinformation vor.


Landessanitätsdirektion: angeblich positiv getestet

Die Meldung über das Corona-Cluster in Ischgl trifft am Morgen des 5. März um kurz nach 7 Uhr in der Landessanitätsdirektion Tirol ein. Von dort wird sie an die Verantwortlichen im Land weiter geleitet. Zum Zeitpunkt der Sitzung der Landeseinsatzleitung (10 Uhr morgens) sind die Verantwortlichen gut informiert. Doch in der Sitzung wird ganz anders geredet: Sie hätten sich nur angeblich dort angesteckt, heißt es.

Quelle: Protokoll der Sitzung der Landeseinsatzleitung am 5.3.2020, 10 Uhr


Die Namen der Hotels, die Zahl der Gäste und wann sie Symptome zeigten

Es sollten noch weitere Informationen besorgt werden. Diese treffen am Nachmittag in der Landessanitätsdirektion ein. Daraus ergibt sich zweifelsfrei, dass die isländischen Gäste, die positiv getestet wurden, nachdem sie aus Ischgl zurückgekommen waren, bereits in Ischgl Symptome hatten. Außerdem sind sie nicht im selben Flieger gereist. Sie konnten sich daher dort auch nicht angesteckt haben.

Weitergeleitet von Benka (BMSGPK) an Anita Luckner-Hornischer und Franz Katzgraber von der Landessanitätsdirektion Tirol: Erste Info aus lsland. Zeitstempel: 5.3.2020, 15:58 Uhr


Mail der Gesundheitsbehörde aus Island an den Tourismusverband Ischgl: Sie sind nicht zusammen gereist

Auch der Ischgler Tourismusverband hat von sich aus die isländischen Behörden kontaktiert. Nach einem Telefongespräch am Vormittag kommt am Nachmittag dann die vollständige Info per Mail. Direkt von der isländischen Behörde erfährt Dietmar Walser, der Geschäftsführer des Tourismusverbands: Die Tourist*innen sind weder zusammen gereist noch kannten sie sich untereinander. Auch übernachteten sie nicht im selben Hotel.

Zeitstempel 5. März 2020, 17:51 Uhr

 


Die Fabrikation der falschen Pressemeldung

Dennoch arbeiten die hier Genannten am Nachmittag des Tages an einer Presseaussendung, in der diese Tatsachen förmlich auf den Kopf gestellt werden.

15:51: Mail von Bezirkshauptmann Maaß an Landesamtsdirektor Forster

Intern beziehen sich die Verantwortlichen dabei nicht auf die gesicherten Aussagen der isländischen Gesundheitsbehörden. Sondern sie nehmen eine Seitenbemerkung aus den Mails der isländischen Reiseleiterin vom Vortag her, um die Version einer Ansteckung im Flugzug zu fabrizieren. Dabei agieren der Bezirkshauptmann von Landeck und der TVB Geschäftsführer ‚in tune‘. Maaß schlägt dem Landesamtdirektor vor, Ischgl somit aus dem Schussfeld zu bringen.

Maaß an Forster. Zeitstempel. 5. März 2020, 15:51 Uhr


Lieber Herbert,
nach Rücksprache mit HLH [gemeint ist Herr Landeshauptmann Platter]
hier die beiden E-Mail von infizierten Personen. Sie geben an im Flugzeug von München nach Island infiziert worden zu sein. Das wäre für eine allfällige Presseaussendung der Abt. Öff. Wichtig. Damit hätten wir Ischgl vorerst aus dem Schussfeld.

16:11: Mail von Dietmar Walser (TVB) an Maaß

Der Tourismusverband (und nicht etwa der Ischgler Bürgermeister) ist bei der Formulierung der Presseaussendung des Bundeslands Tirol eingebunden. Er schlägt dabei eine Verschärfung der Aussage vor.

Lieber Herr Landeshauptmann / Hallo Markus,
wir haben den Entwurf schnell intern abgestimmt. Womöglich könnte man noch darauf hinweisen, dass die betreffenden Personen aus Island selber darauf hingewiesen haben, dass sie im Flugzeug bei der Heimreise angesteckt wurden.
Ansonsten für uns selbstverständlich auch ok.
Schöne Grüße
Dietmar

In Abstimmung mit unserem HLH

Die Verantwortlichen in Ischgl kommunizieren zeitgleich in einer internen WhatsApp-Gruppe. Natürlich ist am heutigen Tag dort viel los.  Alfonfs Parth gehört dieser Gruppe auch an. Er hilft im Hintergrund. In einer kurzen Message gibt er bekannt, dass er und Alexander (= Alexander von der Thannen) wegen der Pressemitteilung sich mit unserem HLH (Herrn Landeshauptmann Günther Platter) abstimmen.

 


Pressemitteilung:  Wenig wahrscheinlich, dass es in Tirol zu Ansteckungen gekommen ist.

Im schlußendlich veröffentlichten Text stand, wie aus Ischgl gerufen: „Nach ersten Erhebungen und infolge einer schriftlichen Information vonseiten eines Betroffenen„. Zum Zeitpunkt der Aussendung hatten die Verantwortlichen, inklusive des zitierten Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber, Informationen, denen zufolge die Aussagen in dieser Aussendung unzutreffend sind. In Wahrheit gibt es in Ischgl bereits ein Cluster, was sie wissen.


 

Das Who is Who der wichtigsten Personen in den #ischglfiles findet sich auf unserer entsprechenden Seite im Blog. Klicken Sie hier.

Bisher erschienen

#ischglfiles 3. März 2020: Iceland would like to report

#ischglfiles 4. März 2020: Ein Corona Cluster in Ischgl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.