8. Mai: Wir müssen achtsam sein wie die Haftlmacher

Gestern sind Aktivist*innen durch Wien gezogen und haben an markante Gebäude Nie wieder projiziert. Sie haben uns die Bilder davon überlassen und einen Text, in dem sie erläutern, warum die dies getan haben. Beides dokumentieren wir gerne.


Böhmermann, ihr habt es gestern auch alle gesehen, oder? Wie so viele saß ich gestern vorm Monitor und wartete drauf, dass er irgendeinen großen Skandal a la Ibiza aufdeckt, damit es für die ÖVP wirklich eng wird – und wie so viele war ich im ersten Moment nach der Sendung enttäuscht.

Doch dann war ich schockiert über meine Enttäuschung. Denn das, was Böhmermann da brachte, war eigentlich extrem beängstigend. Erst gestern tagsüber sprach ich mit meiner Mutter drüber, und sie meinte: Weißt, irgendwie erinnert das alles an das Jahr 1934, was da gerade passiert.

Nie wieder

Was für eine Ironie, dass ausgerechnet heute Tag der Befreiung ist. 1934 begann, was am 8. Mai 1945 nach einer völligen Katastrophe endete.
Gut, dass es Jugendliche gibt, die sich dessen sehr genau bewusst sind. Und die gestern ein Zeichen setzten und dieses Plakat nicht nur in Wien und Oberösterreich plakatierten, sondern auch in der Nacht einige sehr relevante Orte damit beleuchteten: den Flakturm, die FPÖ Zentrale und das Haus der Burschenschaft Olympia. NIE WIEDER.
Dessen müssen wir uns nicht nur heute, am Tag der Befreiung, sondern immer bewusst sein. NIE WIEDER.


Diese Anfänge im Keim ersticken

Und wir müssen achtsam sein wie die Haftlmacher, denn wir leben jetzt schon (Zitat der Aktivist*innen)

in einem Land, in dem Rechte Aufmärsche geduldet und unkommentiert akzeptiert werden, in den Jüdinnen und Juden aufgerufen werden, während dieser Aufmärsche in ihren Wohnungen zu bleiben, die Zahl der antisemitischen Übergriffe so hoch ist, wie schon lange nicht mehr.

In einem Land, in dem Kinder mitten in der Nacht aus ihren Betten geholt und abgeschoben werden. Einem Land, das schulterzuckend in kauf nimmt, dass Kinder in Flüchtlingslagern verhungern.

In einem Land, dessen Bundeskanzler seine Befindlichkeiten über Weisungen des Verfassungsgerichtshofes stellt.

In einem Land, dessen Gesellschaft so gespalten ist wie seit 76 Jahren nicht mehr und in dem, anstatt Wurzeln dieser Spaltung zu beseitigen, diese durch unsoziale und kapitalistische Politik vorangetrieben und befeuert wird.

Unsere Verantwortung ist es, diese Anfänge im Keim zu ersticken, daran zu erinnern, dass NIE WIEDER diktatorische Zustände in Österreich herrschen dürfen.


NIE WIEDER.
Und Böhmermann hat gestern kompakt zusammengefasst, wie weit wir eigentlich schon wieder sind.


 

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Share via
Copy link