Die neuen Öffnungsverordnungen: Absurd und unverantwortlich

Sie wird als 278. Verordnung gezählt und tritt am 1. Juli 2021 in Kraft. Der Bundesgesundheitsminister regelt damit die kommenden Öffnungen. Nicht nur die Maskenpflicht fällt. Praktisch alle Vorkehrungen, die uns schützen sollen, werden fallen gelassen. Unsere Gastautorin Daniela Litzlbauer, Ärztin und Initiatorin eines Offenen Briefs an die Bundesregierung zu #ZeroCovid von Anfang dieses Jahres, geht mit dieser neuen Politik scharf ins Gericht. Denn: Die Pandemie ist noch lange nicht vorüber. Leider.


Wir befinden uns in Österreich mittlerweile im Pandemiemonat 16. Die in der neuesten Öffnungsverordnung angeführten Pläne bereiten mir Sorgen.

Keine Maskenpflicht in den Ordinationen mehr

Ich betreibe mit meinem Lebensgefährten eine HNO-Ordination in St. Valentin. Wir Ärzt*innen und auch unsere Mitarbeiterinnen haben seit Februar 2020 FFP2– oder FFP3-Masken getragen. In diesem Zeitraum haben wir unsere Patient*innen durch die verschiedensten Änderungen der jeweils geltenden Covid-19-Verordnung begleitet. Zuerst galt der MNS (Mund-Nasen-Schutz), dann die FFP2-Maskenpflicht. Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass die Menschen – bis auf wenige Ausnahmen – sehr diszipliniert waren.
Nun sind wir neuerlich mit einer neuen Covid-19 Verordnung konfrontiert. Dieses Mal soll die FFP2-Maskenpflicht sowohl für Mitarbeiterinnen als auch uns Ärzt*innen fallen (sofern wir geimpft, genesen oder getestet sind). Auch unsere Patient*innen brauchen wieder nur mehr einen MNS tragen. Es steht uns frei als Ordinationsbetreiber strengere Regeln zu definieren.

Mehr zusätzliche Arbeit für weniger Schutz

Ich sehe diesbezüglich erheblichen Mehraufwand auf uns zukommen:

  • Wir behandeln in der Regel kranke Menschen: mit Infekten. Menschen, die möglicherweise mit Covid-19 infiziert sind, und die sollen jetzt alle im Wartezimmer sitzen und nur einen MNS tragen? Wie sinnvoll ist das? Kann ich das wirklich mittragen?
  • Ich kann meine Mitarbeiterinnen nun wieder auf unzählige Diskussionen mit Patient*innen einstimmen, dass wir trotzdem weiterhin auf das Tragen von FFP2-Masken bestehen werden. DenLeuten wird von Regierungsseite leider nur kommuniziert, dass sie die FFP2-Masken ablegen können.
  • Natürlich begrenzen wir weiterhin die Anzahl der Menschen in unserem Wartezimmer.
    Ich möchte mich aber auf meine Arbeit als Ärztin konzentrieren und nicht über Verordnungen eines Ministeriums aufklären müssen.

Bizarr und unzureichend

In Bezug auf die neue Variante von SARS-Cov2, die nun Delta genannt wird, erscheinen diese neuen Verordnungen umso absurder, da diese Variante deutlich übertragbarer zu sein scheint als die Variante Alpha (vorher B117 oder britische Variante).
Nun darf auch bei körpernahen Dienstleistern die Maske abgenommen werden, sofern die 3G-Regel erfüllt wird. Selbst mit einem Antigentest erfülle ich diese Regel. Und das, obwohl dieser nachweislich nur eine Momentaufnahme darstellt. Er darf sogar 48 Stunden gelten, was virologisch bizarr und völlig unzureichend ist.
Eine weitere Absurdität ist, dass auch in AMS-Kursen sowohl die Maskenpflicht wie auch die 3G-Regel völlig wegfällt.


Das kann ich kaum fassen. Bis zu 30 Menschen sitzen so in einem Innenraum, ungetestet und ohne Maske. Was soll das? Das widerspricht jeglichem Infektionsverständnis. Das AMS beschließt diese Regeln nicht, die gehen vom Gesundheitsministerium aus. Das sei noch angemerkt. Die Schulungsinstitute dürfen andere Regeln erlassen, wenn sie das wollen, so heißt es ebenso. Warum also dann diese Lockerungen?

Wir leiden auch unter dem Maskentragen

Auch wir leiden unter dem Maskentragen und würden sie lieber ablegen. Aber aus Verantwortung unseren Patient*innen und uns selbst gegenüber werden wir das nicht tun, obwohl wir alle zwei Mal geimpft sind.

Warum heben wir diese billige und äußerst effiziente Maßnahme auf? Noch dazu, wo wir nur nach Großbritannien, Schottland, Russland, Portugal, Mallorca, Südafrika oder Indonesien schauen müssen, wo Delta sich ausbreitet. Davon werden wir davon nicht verschont bleiben,auch wenn wir es zu leugnen versuchen.

Auch in den Schulen wurde die Maskenpflicht aufgehoben. Alleine in Linz gibt es mittlerweile drei Schulen, die einen Ausbruch von SARS-Cov2 mit der Variante Delta verzeichnen. Alle betroffenen Klassen wurden in Quarantäne geschickt. Wer glaubt, dass das für Kinder einfacher ist, als eine Maske zu tragen, irrt gewaltig.

Aber die Maske schützt

Wir sollten weiterhin FFP2-Masken tragen, egal ob geimpft oder genesen, sobald wir mit fremden Menschen in Innenräumen aufeinander treffen. Was ist mit chronisch kranken Menschen, also mit solchen, die einen sekundären oder primären Immundefekt haben? Menschen also, die keine oder zu wenig Antikörper auf die Impfung entwickelt haben. Wie müssen sie sich nur fühlen angesichts dieses Öffnungswahnsinns? Selbst die WHO empfiehlt auch Geimpften das Tragen einer Maske.
Nur wenn wir die Ausbreitung von Delta verhindern, können wir unseren Kindern (vor allem den Jüngeren, die nicht geimpft werden können) einen Schulbesuch garantieren im Herbst. Halten wir doch zusammen – unseren Kindern zuliebe.


Zum Nachlesen: Interview mit Daniela Litzlbauer

Interview zu #ZeroCovid: Damit unsere Regierung diesem Virus nicht ständig hinterher hechelt

3 Replies to “Die neuen Öffnungsverordnungen: Absurd und unverantwortlich”

  1. Herr Kopf wird sich davor hüten, seine Nase in stickige AMS-Kurse zu stecken. Die Unappetitlichkeit dieser Veranstaltungen ist bald nicht mehr zu überbieten.

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