COVID-19 am Wolfgangsee: Auch sechs Urlaubsgäst sind betroffen (Update 28.7.)

Zuerst waren es nur zwei Hotel-Praktikant*innen am Wolfgangsee. Mittlerweile sind 62 Personen positiv getestet. Insgesamt sind am Wochenende 1.183 Tests durchgeführt worden. Davon sind nun fast alle ausgewertet worden, berichtet der Pressesprecher der oberösterreichischen Landesregierung auf Twitter. Die Betroffenen arbeiteteten in 18 Tourismusbetrieben. Nicht nur in Hotels, Bars und Restaurants und in einem Geschäft in St. Wolfgang – auch drei Orte im Bundesland Salzburg werden im Cluster St. Wolfgang genannt. Entgegen erster Meldungen sind aber nicht nur Tourismusmitarbeiter*innen betroffen. Auf Twitter nannte der Pressesprecher sechs infizierte Feriengäste von Lokalen. Unklar ist, warum erkrankte Gäste zuerst nicht mitgezählt wurden. Eine Recherche von Sebastian Reinfeldt. [Aktualisierung am 27.Juli um 13:30 Uhr und am 28.Juli um 11:30]


Ist Urlaub in Österreich sicher?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach. Wir kennen die Erzählung der Tourismuswirtschaft und der ÖVP-Tourismusministerin: Nur in Österreich sei es sicher. Außerhalb lauere das Virus. Etwa auf dem Balkan. Auf diese Weise sollte die heimische Sommersaison halbwegs gerettet werden. Tatsächlich waren die Betriebe rund um die Bergseen in den Alpen bald ausgebucht. Jetzt müssten nur noch die Virus-Zahlen passen. Ministerin Elisabeth Köstinger kündigte zu Saisonbeginn freiwillige Test-Programme an. Unter dubiosen Umständen wurde ein solches für Tourismusmitarbeiter’innen aufgegelgt, mit einer eigenen Webseite und unter Mitwirkung des Beratungsunternehmens McKinsey, wie ZackZack und die Krone recherchiert haben. Unklar bleibt bisher, wie viel Geld für die Beratung tatsächlich geflossen ist. McKinsey behauptet: kein Geld sei geflossen.

18 Betriebe am Wolfgangsee betroffen

Nun spielt das Virus bei den Regierungsplänen nicht mit. Im Salzkammergut in Oberösterreich ist ein Cluster identifizierbar. Betroffen sind laut Salzburger Nachrichten, Bayerischem Rundfunkund der Landeskorrespondenz unter anderem  diese Betriebe: das Hotel Furian, das Hotel Berau, das Hotel Seevilla, das Hotel Peter, das Eventhotel Scalaria und das Strandhotel in St. Wolfgang und in Salzburg das Hotel Leopoldhof. Dazu kämen die Pizzeria Mirabella, das Restaurant Gustaria sowie die Lokale 13er Haus und W3 am Wolfgangsee, die nun „vorübergehend“ geschlossen wurden. Auch das bekannte Weisses Rössl, ferner Zum Weissen Hirschen und der Hubertuskeller haben einen positiven Fall.

St Wolfgang am Wolfgangsee


Bisher sind sechs Gäste positiv getestet

Gäste seien – soweit bisher bekannt – nicht betroffen, meldeten fast alle Medien, so auch der ORF zuerst.  Doch stimmte diese ursprüngliche Auskunft nicht. Zum einen richtet sich das Testprogramm anfangs ausdrücklich nur an Mitarbeiter*innen in den Tourismusbetrieben. Gäste wurden erst gar nicht getestet. Erst im Laufe des Samstags gab es für sie die Möglichkeit, dies freiwillig zu tun.

Tweet von Sonntagmorgen https://twitter.com/sarkusmenn/status/1287286956720783361

Zum anderen wurde zuerst der Fall mindestens eines infizierten Gastes bekannt. Der wurde in der Berichterstattung anfangs verschwiegen. Es handelt sich um einen Mitarbeiter des Außenministeriums, der am Wochenende privat am Wolfgangsee urlaubte. Zitat aus dem entsprechenden Bericht auf ORF-Online vom Freitag, 24. Juli:

Ein Mitarbeiter im Kabinett des Außenministeriums ist heute positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Mitarbeiter habe sich vergangenes Wochenende privat am Wolfgangsee aufgehalten, teilte eine Sprecherin der APA heute Abend mit. Der Infizierte befinde sich in Heimquarantäne. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, er habe nur sehr leichte Symptome.

Die Kleine Zeitung berichtet zudem von einem infizierten Pensionisten, der im dortigen Hotel Peter untergebracht war. Und die Krone hat den Fall eines Manns „im besten Alter“ aufgegriffen, der in St. Wolfgang urlaubte und in Wien nicht getestet worden ist.

Auf Twitter nannte Landespressesprecher Thomas Brandstetter dann die Zahl von sechs Gästen.

Quelle: Twitter

Das Ende einer Kommunikationsstrategie

Diese Testergebnisse und die Wiedereinführung der Maskenpflicht markieren das Ende einer Kommunikationsstrategie der Regierung. Demnach sei es in Österreich sicher. Infektionen kämen aus dem Ausland auf die Alpenrepublik zu. Innenenminister Nehammer verwies zeitgleich zur Ankündigung des Tourismustestprogramms Anfang Juli nach bekannter ÖVP-Linie auf den Westbalkan. Dafür gab und gibt es keine Evidenz. Infektionen in Österreich sind hausgemacht und traten etwa in Kirchengemeinden auf (Oberösterreich), in Salzburg in einer Polizeiinspektion, in einem Reha-Zentrum oder in einem Schlachthof in Niederösterreich. Genau Zahlen und Orte finden sich in einer Übersicht der Oberösterreichischen Nachrichten vom 19. Juli. Westbalkan-Cluster finden sich darin nicht.

Urlaub in Österreich ist eben nicht sicher

Bereits zu Beginn der Krise im März 2020 haben Verantwortliche versucht, den Ausbruch des Virus in Ischgl mit Nationalitäten und Reisepässen in Verbindung zu bringen. In Wahrheit sind es immer lokale Begebenheiten, die seine Ausbreitung befördern oder hemmen. Am Wolfgangsee haben die jungen Leute, die ihr Praktikum gemacht haben, nach Feierabend wohl Partys gefeiert und sind ausgegangen. Dann reicht nur eine Person, die – ohne Symptome zu verspüren – das Virus überträgt. So ist schnell ein Cluster beisammen. Alle anderen „Erklärungen“ entpuppen sich jetzt als das, was sie von Anfang an waren: Politische Propaganda hinter der kein durchdachtes Konzept steckt, wie wir mit dem Virus die kommenden Monate leben werden können. Das gilt besonders für die Tourismuswirtschaft. Die Wahrheit ist: Urlaub in Zeiten von Corona wird nur sehr eingeschränkt möglich sein. Wenn überhaupt.

2 Kommentare

  1. Sorry, bin kein Fan von Kurz&Co, aber beruflich in GR tätig. Gerade Chalkidiki ‚lebt‘ normalerweise zu einem gr Teil von Urlaubern aus Serbien, Nord-Mazedonien,Bulgarien, Rumänien. Die Landgrenzen werden mittlerweile streng kontrolliert. Serbien auf d roten Liste. In meinem Sommerort gibt es einige Apartmentblocks, die fest in bulgarischer Hand sind und heuer ziemlich leer stehen. Bisher zum Großteil griechische Urlauber. In GR auch steigende Zahlen, zum. tw aufgrund d Tourismus, denn GR kam vorher durch sehr strenge Maßnahmen (strenger als in Ö) gut durch

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