Zweifel an der Femen-Aktion gegen Poroschenko

Alisa Vinogradova

Seit 2012 sorgt die Gruppe “Femen” für Schlagzeilen. Meist junge Frauen machen mit bloßem Oberkörper auf Sexismus aufmerksam. Sie wenden sich nach eigenen Angaben gegen autoritäre Politik. Zuletzt etwa gegen den tschechischen Präsidenten Miloš Zeman, nun am Wiener Opernball gegen den ukrainischen Premier Poroschenko.

Doch wirft die Wiener Aktion Fragen auf. Auf Fotos sieht es so aus, als sei die Aktivistin mit FPÖ-Abgeordneten und Unterstützer der russischen Krim-Besetzung Johann Gudenus auf dem roten Teppich angekommen. Direkt daneben, so ist auf den Bildern, die Mein Bezirk veröffentlicht hat, erkennbar, steht der russische Botschafter Dimitrij Ljubinski. Ist das alles wirklich ein Zufall? Eine Recherche von Sebastian Reinfeldt.


Die Geschichte der Aktion

Sie sei vor einer Woche nach Wien gekommen, nachdem Femen erfahren hätte, dass der ukrainische Präsident vom österreichischen Präsidenten van der Bellen auf den Opernball eingeladen wurde, erzählt die Femen-Aktivistin Alisa Vinogradova im Video-Interview mit der Zeitung Heute. Dann habe sie eine Openballkarte für 600 Euro gekauft, eine Stunde auf dem roten Teppich gewartet und schließlich die Aktion durchgeführt: Vor laufenden Kameras hat sie auf dem roten Teppich, noch bevor sie die Staatsoper wirklich betreten konnte, ihr Cape abgeworfen und ihren Oberkörper mit der Aufschrift gezeigt, dass Poroschenko verschwinden solle.

Zweifel tauchen auf

Facebook Roman Pelekh
Screenshot Roman Pelekh

Poroschenko indes hat von dieser Aktion gar nichts mitbekommen. Er war zum Zeitpunkt der Enthüllung nicht in ihrer Nähe. Aber Johann Gudenus, der FPÖ-Politiker und “Gentleman” (so Gudenus über Gudenus), hob ihr den Mantel dann auf und warf ihr diesen schließlich nach, gab er zu Protokoll. Bald nach der Aktion tauchten denn auch Zweifel an der Aktion auf Facebook auf. Kritisiert wurde unter anderem, dass sich mit der Aktion eigentlich gar keine politische Forderung verbunden hat. Der ukrainische Präsident solle verschwinden, weil er viel Geld habe. Das trifft aber auf die allermeisten der Besucherinnen und Besucher des Balls zu. Warum wird von der Femen-Aktivistin dann ausgerechnet dieser Politiker ausgesucht? Denn: Wenn es um den Protest gegen autoritäre Politiker geht, hätte sich ja auch der FPÖ-Politiker Gudenus oder der russische Botschafter zum Protest angeboten, die jedenfalls die Aktivistin bis zur Aktion begleitet haben.

Ein Ticket eine Woche vor dem Ball?

Es ist zwar möglich, ein Opernball-Ticket eine Woche vor dem Ball zu erstehen. Auf der Verkaufsplattform willhaben.at wurden solche vier Tickets für jeweils 340 Euro angeboten. Aber: Weiß das eine Ukrainerin, die gerade erst nach Wien gekommen ist, wie sie im Interview behauptet. Wer hat sie eigentlich dabei unterstützt? Wie konnte sie alleine und auf sich gestellt die Sicherheitskontrollen vor dem roten Teppich überwinden? Oder hatte sie dabei Hilfe? Und wenn ja, von wem?

Drohen wirklich 7 Jahre Haft?

Im Gespräch mit der Kronenzeitung erweckt die Aktivistin den Eindruck, ihr würden nach zwei Aktionen (eine erste im Vatikan “Gott ist eine Frau“) jetzt in der Ukraine 7 Jahre

Tassilo Wallentin
Wallentin / Facebook

Haft drohen. In Wien kostete sie das Ganze nur 100 Euro Strafe, berichtet sie. Entspricht die siebenjährige Haftstrafe, die ihr angeblich in der Ukraine drohen, den Tatsachen? Der Krone-Kolumnist Tassilo Wallentin, von der FPÖ als Richter am Verfassungsgerichtshof nominiert, forderte auf Facebook daher gleich für die Femen-Aktivistin den Asylstatus in Österreich. Er liefert dafür eine Begründung, die das österreichische Asylrecht umkrempeln könnte:

In einem hochkorrupten Land (Ukraine) mit einem Oligarchen als Präsidenten (Poroschenko) ist kein rechtstaatliches Verfahren zu erwarten.

Die ganze Aktion schaut nach Propaganda gegen die Ukraine und für Russland aus, eine Propaganda, die von durchsichtigen politischen Interessen getragen wird. Nämlich die völkerrechtswidrige Besetzung der Krim zu legitimieren und die Sanktionen gegen Russland zu beenden. Im Namen des Feminismus.

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