Nachtspaziergang in der Wiener Feinstaubkammer: Taborstraße

Wer in der Nacht auf Sonntag, 17.2. 2019, Lust auf einen nächtlichen Spaziergang hatte, konnte es in der Wiener Leopoldstadt bemerken: Es roch. Wonach? Nach einer ordentlichen Portion Feinstaub. Diese hat jedenfalls der deutsche Wettermann Jörg Kachelmann gemessen. Er macht dafür nicht nur die Dieselfahrzeuge am Tag, sondern auch die beliebten privaten Holzöfen in der Nacht verantwortlich. Eine Recherche in der gar nicht so grünen Hauptstadt von Sebastian Reinfeldt.


Beim nächtlichen Spaziergang durch die Leopoldstadt konnte man es sehen und vor allem reichen: Es lag etwas in der Luft. Ein wenig roch es so, wie ich es aus meinen Besuchen in Osteuropa von vor 20 Jahren kannte: Es roch nach schmutziger, feuchter Luft. Tagsüber war es in Wien schön sonnig und frühlingshaft. In der Nacht machte sich dann kalte, feuchte Luft breit – mit einigen Zusätzen.

Deutlich erhöhte Feinstaubwerte in der Leopoldstadt nach 20 Uhr

Nach 20 Uhr konnten dann deutlich erhöhte Feinstaubwerte gemessen werden. Sie lagen deutlich über dem Grenzwert von 50 µg/m³. Der deutsche Wetterforscher Jörg Kachelmann, der die Messergebnisse via Twitter veröffentlichte, macht besonders die Verwendung von Holzöfen für diese plötzliche Erhöhung verantwortlich. Zusammen mit den Abgasen des Verkehrs – die Taborstraße wird tagsüber konstant befahren – macht eine Grenzwertüberschreitung das Atmen schwer.

Feinstaubwerte Wien Taborstraße
Messwerte 16.2.2019, Taborstraße. Quelle: Jörg Kachelmann, https://twitter.com/Kachelmann/status/1097109188306747398

Ursache für Feinstaub: Verbrennungsaktivitäten

Auch die Werte für Stickstoffmonixid schnellten zur selben Zeit rasant in die Höhe. Diese Werte wiederum zeigen Vebrennungsaktivitäten an. Denn Stickstoffoxide entstehen bei Verbrennungsvorgängen (gleich ob natürliche oder vom Menschen gemachte), und zwar aus gasförmigem Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2), die über die Verbrennungsluft zugeführt werden.

Stickmonoxide
Messwerte Stickmonoxide, Wien, Taborstraße, 16.2.2019. Quelle: https://twitter.com/Kachelmann/status/1097109188306747398

Warum tut niemand etwas?

Das ist nicht das erste Mal, das man schlechte Luft in Wien förmlich riechen kann. Ich frage mich nur: Warum gibt es dazu so wenig Berichterstattung? Warum wird die Luftqualität nicht sorgfältiger und kleinräumiger überwacht? Und besonders: Stimmt die Kachelmannsche These, dass diese Öfen als wohlig-warmer Heizungsersatz besonders in der Übergangsphase zum Einsatz kommen?

Und falls diese These stimmt: Warum tut niemand, und ich meine wirklich niemand, etwas dagegen?


Fotocredit: https://de.wikipedia.org/wiki/Leopoldstadt

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