6. März: Bitte kontaktieren Sie dringend die isländischen Behörden unter der Telefonnummer +354 544 4113!

Ich bin schockiert, dass keine der Webseiten in Tirol oder Ischgl diese zehn bestätigten Corona-Falle erwähnt,“ schreibt eine Urlauberin aus den Niederlanden an den Tourismusverband Paznaun – Ischgl. Datum: 6. März 2020 um 12 Uhr 54. Sie teilt dem Verband darin mit, dass ihre Reisegruppe aus den Niederlanden ihren Urlaub aufgrund dieser Warnung storniert hat.

Dem Semiosisblog wurde der gesamte Mailverkehr zugespielt. Trotz Reisewarnungen aus Island sollte das Schi-Wochenende vom 6. bis 9. März offenbar noch mitgenommen werden. Zehntausende Touristen halten sich in dieser Zeit im Tal auf. Die Tiroler Gesundheitsbehörden meinen, dass sich die in Island positiv Getesteten im Flugzeug angesteckt hätten. Daher bittet die Mailschreiberin den Tourismusverband inständig, umgehend die isländischen Behörden zu kontaktieren und sich bei ihnen genau zu informieren. Sie gibt an, dass sie selbst mehrfach dort angerufen hat. Im Zuge des Kontakts übermittelt sie sogar die entsprechende Telefonnumer. Die Antworten des Tourismusverbands dokumentieren Überheblichkeit und Verleugnung der Wahrheit – einer Wahrheit, die die Verantwortlichen bereits am 6. März hätten zur Kenntnis nehmen können. Wenn sie nur zum Telefon gegriffen hätten, statt arrogant abzuwiegeln. In der Folge nahmen die Infektionen ihren Lauf. Von Sebastian Reinfeldt. (Aktualisierung am 22.Mai)


Der TVB Paznaun – Ischgl: Eine Körperschaft des öffentlichen Rechts

Der Weg des Virus von Ischgl durch Europa. Quelle: Die Welt

Jede Schiregion in Tirol hat einen eigenen Tourismusverband. Früher hießen diese in der Regel Fremdverkehrsvereine FVV. Als Körperschaften des öffentlichen Rechts besitzen die heutigen, abgekürzt TVB genannten, Tourismusverbände eine eigene Form der Rechtspersönlichkeit. Ihre Organisationen sind aufgrund des Tiroler Tourismusgesetzes von 2006 landesweit einheitlich geregelt. Von Gesetzes wegen obliegt ihnen unter anderem

die Wahrung, Förderung und Vertretung der örtlichen und regionalen Belange des Tourismus unter Bedachtnahme auf seine ökonomischen, sozialen, kulturellen, ethischen und ökologischen Auswirkungen.

Das Büro des Tourismusverband Paznaun – Ischgl liegt im Zentrums des Schiortes, in der Dorfstraße 43. Vor wenigen Monaten fand eine Staffelübergabe in der Führungseben statt. Der langjährige Vorsitzende Alfons Parth übergab im Dezember 2019 den Vorsitz an Alexander von der Thannen. Damit wechselte die Verantwortung von einer Ischgler Familiendynastie in die andere. In dem vorliegenden Mailverkehr schreibt von Seiten des Verbands einer der Geschäftsführer der Körperschaft. Die erste Mail der Touristin erreicht ihn am Freitag um 12 Uhr 54.


Gesendet: Freitag, 6. März 2020 12:54: Island hat 10 Corona-Fälle aus Ischgl bestätigt. Es ist Ihre Verantwortung, uns exakt zu informieren!

An: Infobüro Ischgl | TVB Paznaun – Ischgl <info@paznaun-ischgl.com>

Betreff: Corona risk – 10 confirmed cases!

Hi Ischgl people,

We were supposed to leave for Ischgl this morning. Unfortunately last night I found about the 10 confirmed Corona cases in Iceland, who returned from Ischgl last weekend. I even called the Icelandic authority to hear about the latest news because in Austria they say the contamination happened during their return flight. I am really shocked that none of the websites of Tirol, Austria or Ischgl mention these confirmed(!) cases and increase the risk for Ischgl. Low risk in the ski areas?! With at least 10 confirmed cases from 1 village like Ischgl?! I think you all should be ashamed of yourself to outweigh our health risks by your commercial interests. It is your job and responsibility to give us the news about the situation in your area. That means the corona cases tested and isolated in your area PLUS the confirmed cases of tourists returning home from a ski area in all the other countries! These weeks in March are high season in the areas like Ischg and St. Anton with all bars completely packed. And you just want us to become infected?

We cancelled last minute, but thousands of people will be in Ischgl this week ignorant about the current risks! You should change the risk level and inform people!

Regards,




Gesendet, Freitag, 6. März 2020 um 13:07: Die österreichischen Behörden haben die Situation sehr gut unter Kontrolle.

Absender: TVB Paznaun – Ischgl

Betreff: Re: Corona risk – 10 confirmed cases!

Dear …. !

Thank you for your e-mail We would like to draw your attention to the enclosed information from the Tyrolean government. The authorities in Austria have the situation very well under control and are of the opinion that an infection probably took place on the way home from Ischgl to Iceland – but not in Ischgl.

If there are any concrete news the Tyrolen government will inform immediately.

Best regards

Tourismusverband Paznaun – Ischgl


Gesendet: Freitag, 6. März 2020 13:54: Bitte rufen Sie die isländischen Behörden an.

An: TVB Paznaun – Ischgl

Betreff: Re: Corona risk – 10 confirmed cases!

Hello,

Please call the Icelandic authorities and ask them for their explanation instead of just trusting a statement. The number is +354 544 4113. In this case you can make up your own mind.

The infection has well been traced to Ischgl by the Icelandic authorities. Airplanes are low risk and it’s impossible that 10 people got infected in a plane and show symptoms that soon.

I still suspect you don’t want the public to know. Well, it’s probably too late now due to your own policy. Transparency would have been a better choice in a case like this.

Fingers crossed there will be no outbreak in Ischgl during the next week(s).

Regards


Gesendet: 6. März 2020 14:07: Wir vertrauen unseren Behörden zu 100 Prozent

Absender: TVB Paznaun – Ischgl

Betreff: Re: Corona risk – 10 confirmed cases!

Hello,

we trust our authorities 100%.

Best,


Gesendet: Freitag, 6. März 2020 15:02: Ich habe nochmals mit den isländischen Behörden telefoniert. Sie sind absolut sicher, dass die Infektion in Ischgl begonnen hat.

An: TVB Paznaun – Ischgl

Betreff: Re: Corona risk – 10 confirmed cases!

Hi,

I have just called the Icelandic authority again to double check. They are absolutely certain the infection started in Ischgl instead of during the flight, because the 10 patients showed symptoms before their return flight. In that case all were contagious during their stay in your village.

It would be worth to talk to them yourselves.

Regards,


Gesendet: Freitag, 6. März 2020 15:07: Ich wiederhole mich: Die österreichischen Behörden sind verantwortlich und überprüfen alle Fälle

Von: TVB Paznaun – Ischgl

AW: Corona risk – 10 confirmed cases!

Hi

Sorry, to repeat myself, but the Austrian Authorities are in charge and check all cases.

Best


Unbeantwortete Fragen an den TVB Paznaun – Ischgl

Wir haben dem TVB Paznaun – Ischgl per Mail die folgenden Fragen zu diesem Beitrag gestellt. Leider hat uns bislang keine Antwort erreicht.

  • Welche Informationen lagen Ihnen am Freitag, 6. März zur Mittagszeit
    über Corona-Infektionen in Ischgl vor? Wer hat Ihnen diese Informatinen
    wann übermittelt?
  • Haben Sie sich am Freitag, den 6. März 2020 bei den isländischen  Gesundheitsbehörden telefonisch oder per Mail über die Corona-Infektionen informiert?
  • Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht die damalige Nachrichtenlage zum gegenständlichen Thema und Ihren Umgang damit?

Berichterstattung des Semiosisblogs

12 Kommentare

  1. Danke für die Recherchen. Ich befürchte, auch in anderen Tourismusregionen wurde Ende Februar/Mitte März so gedacht wie in Ischgl. Ich machte drei persönliche Erfahrungen von Südtirol bis Salzburg. Nach offiziellen Tourismus-Seiten konnte man nicht gehen, obwohl bereits CoV-19 Infektionen in meinen Urlaubsregionen öffentlich bekannt waren. Es gab Mitte März sogar noch eine Seilbahngesellschaft, die mit Coronafreiheit das letzte Schiwochende der Saison bewarb. Der Ansturm an den Liften und beim Apres Ski blieb nicht aus. Inzwischen wird auch aus diesem Schigebiet ein erster CoV-19 Fall gemeldet.

  2. Wir waren mit einer Gruppe von ca. 15 Personen vom 28.02. – 06.03.2020 in Ischgl. Von uns sind dort 9 Personen in der Woche an dem Corona-Virus erkrankt. Symptome traten bei allen 6.3. und folgende Tage zuerst auf. Wo soll es sonst passiert sein als dort.

  3. Wer so fahrlässig handelt und nur an Kohle denkt,der sollte auch richtig
    bestraft werden.Es muss richtig weh tun.Nur so lernen sie es vielleicht! !
    ,

    1. Bei der Fülle von Meldungen die uns täglich überschwemmen empfehle ich die Strafjustiz zu beauftragen. Wegen der besonderen Verbindungen/ Verknüpfungen. zwischen Politik, Tourismusbranche und Wirtschaftsverbänden in Tirol nicht die Ermittlungshoheit bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck sondern hier die in Wien für ganz Österreich zuständige STA für Wirtschafts- und Korruptionsfälle federführend zu beauftragen.
      Informationen sind , wie sich leicht beweisen lässt, nicht frühzeitig kommuniziert worden um wirtschaftliche Interessen abzusichern. Gefahr für Leib und Leben hat man hierzu für viele In- und Ausländer zumindest billigend in Kauf genommen. Daneben ist ein erheblicher Schaden für die Tourismusbranche in Österreich zu erwarten denn die Geschädigten kommen aus Skandinavien, Island, den Niederlanden, Deutschland und weiteren Ländern und werden je nach Verlauf der notwendigen Untersuchungen medienwirksam darüber Berichten, möglicherweise nicht nur Tirol meiden.
      Den Opfern, nicht nur den Touristen, muss Gerechtigkeit durch die Strafjustiz gegeben werden.

      1. Nachdem das Virus bereits Ende Jänner frisch aus Wuhan in den Münchner Großraum importiert wurde – Wochen bevor in Ischgl auch nur irgend jemand gehustet hat – liegt der Verdacht wohl nahe, dass er eher von dort in die österreichischen Schigebiete Tirols und Salzburgs exportiert wurde.

        Das Virus konnte sich im süddeutschen Raum völlig ungebremst über mindestens 6 Wochen exponentiell vermehren.

  4. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck scheint ja nicht zu ermittelt und die Jusitzministerin schweigt wohl auch, das ist echt ein Skandal in Österreich, mann wartet solange, bis die Beschuldigten die Mails und SMS gelöscht haben. Muss hier nicht langsam die EU Justiz ermitteln.

    Mich würde mal interessieren, wer von der Staatsanwaltschaft mit wem verwandt oder befreundet ist? Welcher Staatsanwalt sein Geld in die Seilbahn oder Touristenhochburgen gesteckt hat usw.

    Alleine nach der SMS von Franz Höhn hatten sofort alle Mobiltelefone beschlagnahmt werden müssen.

    Hier wird versucht zu vertuschen und dies auszusitzen, ein Skandal für die Justiz, die eigentlich neutral sein sollte!

  5. Heutige Pressekonferenz mit Anschober, Ages, und Virusforscher (?):

    In Hinblick auf diesen Bericht sind die Beschwichtigungsversuche Anschobers – nicht zu personalisieren und den Barkeeper zu stigmatisieren – die Erklärungen der Ages, dass das Virus auch von außen nach Österreich hereingetragen wurde wie in anderen Ländern auch – eine Verhöhnung sondersgleichen.

    Alle wissen, dass es NICHT um die Personalisierung von Infizierten geht, wohl aber um die Personalisierung der Nichtinformierer, der Schweiger, der Liftoffenhalter, … der hochrangig politisch aktiven Mitspieler bei diesen kriminellen Machenschaften.

    Anschobers letzter Satz: Wir sind hier nicht ein Gericht. Wir nicht, aber WIR betroffenen Tiroler, Österreicher, ausländischen Gäste hoffen, dass die Staatsanwaltschaft und ein Gericht die Vorgehensweise rund um Ischgl personalisieren wird (inkl. Anschobers Gesundheitsministerium – was wusste er und der BK wann – lt. virologischer Meldung aus dem Ausland) und ein sachlich fundiertes, unemotionales Urteil findet.

  6. Ich hoffe die Verantwortlichen in dieser Region werden durch das Fernbleiben von Touristen in der Zukunft ordentlich abgestraft werden. Anscheinen bekommt man diese geldgierigen Leute, die über Leichen gehen, nur mit dem Entzug von Geldern in den Griff.

  7. Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich bin Experte im Bereich Online-Marketing. Ich habe festgestellt, dass Ihre Website: semiosis.at/ korrekt erstellt wurde und gut aussieht, sie jedoch nicht für die Google-Suchmaschine optimiert ist.

    Internetnutzer, die Keywords für Ihre Branche eingeben, sollten Ihre Seite sofort in den Google-Suchergebnissen finden.

    Wenn Sie herausfinden möchten, welche Fehler Ihre Website aufweist und welche geändert werden müssen, damit sie definitiv in den Suchergebnissen erscheint, können wir eine kostenlose Überprüfung der Website durchführen.
    Zu diesem Zweck bitten wir Sie, dieses Auditformular auszufüllen und unsere Techniker erstellen für Sie kostenlos einen Auditbericht Ihrer Website:

    https://www.spartnergroup.net/audit

    Mit freundlichen Grüssen
    Daniel Scholz

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