Maskenpflicht in Vorarlberger Bussen: Die Regierung hat gesagt, Corona ist vorbei

Seit zwei Wochen kommt es verstärkt zu Vorfällen wegen der Maskenpflicht in Vorarlberger Öffis. Fahrgäste weigern sich, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und reagieren verbal äußerst aggressiv, wenn sie darauf angesprochen werden. Sebastian Reinfeldt dokumentiert einen solchen Fall und hat mit den Verantwortlichen darüber gesprochen.


Buslinie 13: Zehn Personen ohne Mund-Nasen-Schutz

Donnerstag Nachmittag in der Vorarlberger Landbuslinie 13 von Dornbirn Bahnhof nach Bregenz. Der Bus ist gut gefüllt. In Vorarlberger Öffis herrscht Maskenpflicht. Mindestens zehn Personen dieses Kurses, so berichtet ein Fahrgast, tragen aber keinen Mund-Nasen-Schutz. Als mehrere Fahrgäste diese auf die geltende Maskenpflicht hinweisen, reagieren einige der Angesprochenen laut und ausfallend. Es handelt sich um eine Gruppe von Jugendlichen und um einige Erwachsene. Die Reaktion der Jugendlichen ist beleidigend und aggressiv. Einige Zitate:

Fick dich, bro
Halt die Fresse
Opfer, Virus ist vorbei
Zwing mich
Ich fick dein Leben, Schlampe

Ihnen pflichteten aber auch Erwachsene bei:

Ich bin ein freier Mensch, niemand kann mich zwingen

Die Regierung hat gesagt, Corona ist vorbei.

Verkehrsverbund Vorarlberg: Da kann man nichts machen

Der Lenker des Busses reagierte auf die Beschwerden der Fahrgäste, die auf einen Maskenschutz bestanden haben, gar nicht. Später informierte einer der Fahrgäste den Vorarlberger Verkehrsverbund per Mail und fragte nach, warum der Buslenker nichts unternommen hätte. Die Antwort lautet kurz gefasst: weil er das nicht könne.

Die Lenker wurde von der Polizei angewiesen, die Kontrollen zu der Maskenpflicht der Polizei zu überlassen und sich nicht einzumischen.
Leider haben wir hier sehr viele Probleme, die Polizei ist hier aber für die Kontrolle zuständig.

Vielen Dank für Ihre Verständnis!

Geschäftsführer Landbus Unterland: Ich stelle mich vor die Lenker

Auf Nachfrage des Semiosisblogs stellte sich Michael Stabodin, der Geschäftsführer von Landbus Unterland (ein Unternehmen des Gemeindeverband Personennahverkehr Unteres Rheintal), hinter den Buslenker. Die Anweisung sei so zu verstehen, dass sich die Lenker bei einer Eskalation „raushalten“ sollten, damit das Ganze nicht „überkocht„. In diesem Zusammenhang erinnerte er an den Fall eines französischen Buslenkers. Anfang Juli verweigerte dieser einer Gruppe von Männern ohne Masken und Fahrscheinen die Mitfahrt und wurde von ihnen daraufhin tot geschlagen. In der konkreten Situation in Vorarlberg habe zudem ein Dilemma bestanden, denn der Fahrer musste sich zwischen dem Schutz der Passagiere mit Mund-Nasen-Schutz und der pünktlichen Ankunft des Busses entscheiden. Hätte er die Polizei informiert, wären die Jugendlichen und die Erwachsenen wahrscheinlich getürmt, so der Geschäftsführer resignierend. Dadurch wäre der Bus zudem zu spät angekommen.

Seit zwei Wochen kommen solche Meldungen verstärkt

Weiters erläuterte Stabodin, dass es seit zwei Wochen „verstärkt“ zu solchen Vorfällen kommen würde. Die Menschen hätten das Gefühl, Corona sei „vorüber“ und einige reagierten eben so aggressiv. Die Landespolizeidirektion Vorarlberg hat auf Nachfrage des Semiosisblogs noch nicht geantwortet. Ihre Stellungnahme wird gegebenenfalls nachgetragen

ÖBB und Wiener Linien: Geldstrafen bei Nicht-Beachtung der Maskenpflicht

Übrigens haben die Wiener Linien und die ÖBB ihre Beförderungsbedingungen mittlerweile ergänzt. Es wird von den eigen MItarbeiter*innen kontrolliert und gestraft. So heißt es bei den Wiener Linien etwa:

Wer den Mund-Nasen-Schutz nicht trägt, wird von unseren Sicherheitsdienst-MitarbeiterInnen angesprochen. Fahrgäste, die sich weigern und sich nicht an die Regeln halten wollen, schließen wir von der Weiterfahrt aus. Unsere Beförderungsbedingungen sehen in letzter Konsequenz eine Strafe von 50 Euro bei Verstößen gegen die Maskenpflicht vor.

Nachtrag 24.7.2020: Auch die Westbahn wird bei Nicht-Beachtung der Maskenpflicht strafen: 40 Euro.

Twitter-Mitteilung der Westbahn, 17.7.2020

*Der betroffene Fahrgast der Buslinie 13 möchte anonym bleiben. Er ist der Redaktion bekannt.

Fotocredit: Überlanger Gelenkbus Landbus Unterland.

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