Oberösterreich: Medizinisches Personal soll für lau arbeiten

In einem Mail an alle Ärztinnen und Ärzte Oberösterreichs bitten Landeshauptmann Thomas Stelzer, seine Stellvertreterin Christine Haberlander und der Präsident der Ärztekammer von Oberösterreich um kostenloses medizinische Personal. Die gut Ausgebildeten sollen in den Teststraßen des Landes einen Freiwilligendienst leisten. Zur Erinnerung: Oberösterreich ist bei der COVID-19 Strategie das Schweden Österreichs. Im September 2020 wurden die ansteigenden COVID-Werte von der dortigen Ärztekammer als „Labor-Tsunami“ interpretiert. Kinder sollten auch mit erhöhter Temperatur in die Schule gehen, meinte die oberösterreichische Bildungsdirektion in ihren FAQs_Stand_06.11.2020. Eine Recherche von Sebastian Reinfeldt


Ergeht an alle aktiven Ärzte in Oberösterreich

In dem Aufruf an alle aktiven Ärztinnen und Ärzte in Oberösterreich werden die organisatorischen Herausforderungen geschildert, vor denen die Landesregierung steht. Vom 11.12. bis 14.12 sollen im ganzen Land 12 Stunden täglich Teststraßen offen halten. Dafür braucht es medizinisches Personal. Es steht aber kein Geld bereit. Also soll sich das medizinische Personal freiwillig melden.

Gesucht: 1700 medizinisch geschulte Kräfte pro Tag

In der Aussendung, die Semiosis vorliegt, heißt es dazu wörtlich:

Die Testabnahme, sowie die Auswertung der Tests vor Ort darf nur durch bestens qualifiziertes, somit medizinisch geschultes Personal vorgenommen werden und auch die Auswertung der Testergebnisse obliegt diesem. Es besteht insgesamt ein Bedarf von etwa 1.700 medizinisch geschulten Kräften pro Tag, um die Teststraßen effektiv betreiben zu können.

Um diesen Kraftakt bewältigen zu können möchten wir Sie ersuchen, Ihr medizinisches Wissen und Ihre Kompetenz für die Massentestungen zur Verfügung zu stellen und Ihre Heimat Oberösterreich dadurch zu unterstützen. Ihre Bereitschaft zur freiwilligen, ehrenamtlichen Mithilfe können Sie gerne durch eine Anmeldung auf der Website bekanntgeben.
Die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher stehen stets zusammen und packen mit an. Diesen Zusammenhalt und dieses Zusammenhelfen brauchen wir gerade jetzt umso mehr, denn ohne Ihre Mithilfe kann das Vorhaben nicht gelingen. Darum bitten wir Sie.

Wer übernimmt dann die normale Arbeit?

Neben der Frage, warum keine Aufwandsentschädigung gezahlt wird: Können vom 11. bis 14. Dezember 2020 sich so viele Ärztinnen und Ärzte frei nehmen, um an den Testraßen zu helfen? Wer übernimmt dann deren normale Arbeit, wo doch die Zahlen weiterhin so hoch sind? Hat man sich das in Oberösterreich wirklich gut überlegt?

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