Ibiza-Video: Der macht eine ganz gute Arbeit, der Herr Julian H. !

Titelbilder Spiegel Krone SZ

Der Antrag wird abgewiesen. Wer am Montagnachmittag die Verhandlung im Raum 306 am Wiener Straflandesgericht verfolgt hat, konnte von diesem Urteil der Richterin Nicole Baczak kaum überrascht sein. Verhandelt wurde „nur“ ein Medienverfahren. Es klagte Philip S. gegen die Recherche-Plattform Fass ohne Boden. Von dieser wollte er eine Entschädigung gemäß §§ 6ff MedienG in der Höhe von 8.720 Euro plus Verfahrens- und Anwaltskosten erstreiten. Die Plattform hatte in einem Artikel behauptet, dass Philip S. „kriminell“ sei und zum „Ibiza-Netzwerk“ gehöre. Dafür traten sie mittels Dokumenten und Zeugenaussagen auch einen Wahrheitsbeweis an. Erfolgreich. Denn für diese Bezeichnungen gebe es ausreichend Gründe, wie die Richterin gestern befand. Was da aber im Verlauf der Verhandlung ans Tageslicht kam, gewährte einen spannenden Einblick hinter die Kulissen des Ibiza-Videos und seiner Macher*innen. Eine Reportage von Sebastian Reinfeldt.


Vor der Verhandlung: Geplatzte Reifen und ein Gerichtsvollzieher

Guten Tag, ich bin der Gerichtsvollzieher! In der schmucklosen Wartezone vor dem Verhandlungssaal im dritten Stock des Wiener Straflandesgerichts erwartet den Zeugen Sascha Wandl wenige Minuten vor der Verhandlung gleich eine Überraschung: Taschenpfändung. Er leert seine Hosentaschen aus. Die 50 Cent, die er rausfischt, sind dem Exekutor zu wenig. Minuten später zieht er unverrichteter Dinge von dannen. Inszeniert wurde diese Aktion vom Klagenden. Noch vor dem Eintreffen des Zeugen telefonierte der Anwalt von Philipp S. in der Wartezone deutlich hörbar in Sachen Gerichtsvollzieher und Taschenpfändung. Auch die zweite Zeugin, die Ex-Frau des Klagenden, musste sich am Vormittag über eine Überraschung wundern. Ein Reifen ihres Autos war plötzlich platt.

Der modus operandi des biza-Videos in einem Sorgerechtsstreit

Sie schaffte es dennoch mit Öffis rechtszeitig ins Gericht zu kommen. Dort belastete ihre Aussage den Klagenden Philip S. schwer. Dieser hatte nämlich nachweislich den Ibiza-Detektiv Julian H. beauftragt, seiner Ex-Frau eine Videofalle zu stellen. So wollte er in einem Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen Sohn beweisen, dass seine Ex-Partnerin und Kindesmutter einen schlechten Lebenswandel habe. In dem Video, das im Ibiza-Stil mit versteckter Kamera in einem Hotelzimmer aufgenommen wurde, soll es um Sex und Drogen gehen. Im Setting der Videofalle gegen die Ex-Frau ist derselbe modus operandi wie im Ibiza-Video erkennbar, argumentierte deshalb Niki Haas, der Anwalt von Fass ohne Boden.

Philip S. und Julian: gute Freunde

Die aus Brasilien stammende Ex-Frau des Klägers erzählte die schmutzige Geschichte mit bebender Stimme. Die frühere Prostituierte muss weiter um ihren Sohn kämpfen, denn Philip S. hatte seltsamerweise vor Gericht mit dem von ihm vorgelegten Transkript dieser Video-Falle Erfolg. Ihm wurde das Sorgerecht zugesprochen. Mittlerweile hat diese Aktion allerdings zu einem Strafantrag der Staatsanwaltschaft Wien gegen Philip S. geführt. Es gilt auch hier die Unschuldvermutung. Die Zeugin berichtet ferner, dass Philip S. und „Julian“ gut befreundet gewesen seien. Stundenlang hätten sie miteinander telefoniert und sie hätten sich auch getroffen. Dies bestritt Philip S..

Sascha Wandl und Philip S.: frühere ziemlich beste Freunde

Spannend wurden dann die erneuten Ausführungen des früheren guten Freundes und Geschäftspartners von Philip S., Sascha Wandl.  Zum Verständnis: Wandl hatte als Sicherheitsexperte geschäftlich mit den Machern des Ibiza-Videos zu tun und outete diese namentlich in einem legendären Fernsehauftritt bei OE24. Nach einer Selbstanzeige wegen Wirtschaftsspionage will er mit seinem früheren Leben brechen. Vorher muss er aber noch einen Prozess wegen Verleumdung, Vortäuschung von Straftaten, Gläubigerschädigung, betrügerische Krida und schwerem gewerbsmäßigen Betrug überstehen.

Wandl bestätigte nicht nur die Aussagen der vorherigen Zeugin, dass Philip S. den Julian H. und auch den Ibiza-Anwalt Ramin M. privat gut kenne und geschäftlich mit ihm verbandelt sei. Aufgrund der guten Portugiesisch- und Spanisch-Kenntnisse von Philip S. sei dieser etwa für den Südamerika-Zweig der Münchener Firma Konsic GmbH zuständig gewesen, berichtete Wandl vor Gericht.

Aktueller Firmenstatus: gelöscht. Quelle: Kompany

Ebenfalls bestätigte er die Aussage der Ex-Partnerin, wonach Philip S. Drogen konsumiere. Es handele sich dabei um Kokain, das wöchentlich konsumiert werde, ergänzte Wandl.

Was bleibt? Eine Niederlage vor Gericht und eine Falschaussage unter Wahrheitspflicht

Im Prozessverlauf hätten sich bei der klagenden Partei eigentlich Zweifel einschleichen müssen, ob es Sinn macht, das Ganze weiterzuführen. Denn sie konnten die behauptete Verleumdung und üble Nachrede nicht mal im Ansatz nachweisen. Stattdessen entpuppte sich der Klagende als ein Mann mit Vorstrafen (es kam zumindest eine Vorverurteilung zur Sprache), der es zudem mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt. Weil er anfangs unter Wahrheitspflicht eine geschäftliche Beziehung zur Konsic GmbH, die von ihm mit der Video-Falle beauftragt wurde, verneint hatte, kündigte die Richterin sichtlich verärgert an, dass sie den Akt an die Staatsanwaltschaft weiter leiten werde: Ihr Vorwurf: Falsche Beweisaussage. Ein Auftrag begründe keine geschäftliche Beziehung, argumentierte Martin Getreuer, Anwalt von Philip S in seinem Plädoyer etwas hilflos dagegen. Dabei meinte er wörtlich über den Video-Fallensteller und Ibiza-Detektiv:

Der macht eine ganz gute Arbeit, der Herr Julian H. !

Die seltsamen Einschüchterungsversuche im Vorfeld des gestrigen Prozesses zeigten keine Wirkung auf die Zeugen. Sie sagten aus, was sie zu sagen hatten. Noch im Gerichtssaal kündigte der Anwalt von Philip S., Martin Getreuer, Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil an.

1 Kommentar

  1. Das Ibbiza Video ist nun mal da und der Inhalt ist soweit möglich der Öffentlichkeit bekannt. Ich bin von den Äußerungen unseres ehemaligen Vizekanzlers H.C irgendwie geschockt, da ich dass in dem Herren nie gesehen habe. Mir ist das so etwas von SCH egal ob der High – Stoned oder was war, der denkt so dass ist seine
    wirkliche Einstellung. !!! Der würde das tun was er da gesagt hat ! Unser Land an eine Russen Tussi für ein paar Milliönchen verscherbeln, nur damit er der Kronenzeitung , dem Haselsteiner der ja nix mehr kriegt, und dem Rechnungshof eine auswischen kann.

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