Wintertourismus: Österreichische Lösungen

Niemand hat die Absicht, Wintertourismus an den Weihnachtsfeiertagen abzuhalten. So könnte man den Inhalt der Regierungspläne zusammenfassen. Und wer die Österreich*innen und besonders die Tiroler*innen kennt, weiß: Es wird österreichische Lösungen geben. Samt patriotischem Stolz. Denn auf unseren Schipisten können wir auch ohne die Ausländer herumfahren. Eine Betrachtung von Sebastian Reinfeldt


Haslauers Erkenntnis: Die Deutschen befolgen die Anweisungen ihrer Regierung

Da staunte ich nicht schlecht, als mich Montagabend der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer von der ÖVP über meinen Nationalcharakter in Kenntnis setzte. Angesprochen auf den Wintertourismus an den Feiertagen erklärte er freudestrahlend in der Zeit im Bild 1:

Dann kommen die schlicht und einfach nicht. Wir alle kennen unsere deutschen Freunde und Nachbarn und Nachbarinnen – die befolgen die Anweisung ihrer Regierung, also ich mache mir da gar keine Illusion. Daher sind auch solche Kontrollen schlicht und einfach nicht notwendig.

Ok, man könnte nun Inzidenzwerte, tägliche Infektionen und Sterberaten nebeneinander stellen und vergleichen. Hier: Deutschland, und dort der Weltmeister Österreich. Doch damit würde man in eine böse Falle tappen. Die heißt: Nationalismus. COVID-19 ist nämlich kein Wettkampf der Nationen.

Das Unvermeidliche akzeptieren

Nationalismus ist ja nur die Sprache, in der in Österreich das Unvermeidliche akzeptiert wird und die zugleich die wahren Ursachen der Probleme verdeckt. In Salzburg machen die deutschen Wintergäste knapp 40 % der Nächtigungen aus, in Tirol 50 % und in Vorarlberg knapp 60%. Diese Gäste werden dieses Jahr nicht kommen, egal, was die österreichische Politik noch anstellen wird. Nur ist in dieser nationalistischen Sprache des Landeshauptmanns Haslauer daran nicht das katastrophale Krisenmanagement der österreichischen Regierung Schuld, sondern ein konstruierter deutscher Untertanengeist. Indes: Ischgl liegt nunmal in Tirol. Der österreichische Kanzler Kurz regiert in Wien. Ordentlich entschuldigen für die Toten vom März 2020 können sich nur die heimischen Verantwortlichen.

Satte Entschädigungen für den österreichischen Tourismus sind im Sack

Der Umsatzverlust für den Lockdown im November 2020 wird der Hotelerie und Gastronomie durch staatliche Zuschüsse abgegolten. 80 Prozent vom Gesamtumsatz vom November 2019 ist ausgezahlt. Wenn meine Informationen über das Buchungs- und Bestellwesen in der Toristik stimmen, dann kommt für die Betriebe am Monatsende ein ordentliches Plus heraus. Normalerweise wird in diesem Monat nämlich ein hoher Umsatz gemacht, weil es der klassische Buchungsmonat für die ganze Wintersaison ist. So haben die Betriebe nun den Novemberumsatz in der Tasche (80 Prozent davon), ohne dass sie Personalkosten oder etwa Einkaufskosten für Getränke hätten. Wenn dann irgendwann im Jänner die kurzfristigen Buchungen kommen, verdient man noch einen guten Batzen Geld on top.

Österreichische Lösung ist am Weg

Es sei ihnen gegönnt. Nur jammern gilt dann nicht. Auch die Wintersaison wird auf gut österreichisch begonnen werden. Erst im Januar 2021, wissen wir nun. Nur die Seilbahnen laufen schon im Dezember. Schifahren soll ja gesund sein, meint die Seilbahnlobby. Daher fahren die Gondeln ganz uneigennützig hoch und runter. Für die Einheimischen und für die Tagesgäste, denn die Hotels bleiben zu. Offiziell. Das besondere Sicherheitskonzept, auf das in diesem Zusammenhang immer verwiesen wird, besteht im Falle des Ötztals aus den normalen Abstands- und Hygieneregeln im öffentlichen Verkehr. Und man kann sich bei den Ärzten vor Ort testen lassen. Kosten zwischen 120 und 140 Euro.

Ansonsten wird man beim, vor und nach dem Schifahren, das tun, was wir  alle ohnehin tun müssen: Abstand halten, Mund-Nasenschutz tragen. Die Winterschitourismus-Raketenwissenschaft haben sie in Tirol nicht erfunden. Soweit es diese überhaupt gibt. Also hoffen wir, dass es gut geht. Wie im Sommer 2020… Ohh, wait!

One Reply to “Wintertourismus: Österreichische Lösungen”

  1. Unsere Politiker funktionieren wie folgt zuerst die grosse Klappe vom LH Platter
    „Tirol sperrt auf, wir Tiroler lassen uns das Schifahren nicht verbieten „. Dann das Ergebnis: Kommentar von LH Platter. “ Er findet es voll optimal was die in Wien beschlossen haben. Wer zu blöd ist und nicht das Rückgrat hat die Hotels und die Lifte aufzusperren, kann nicht erwarten, dass die ganze Bevölkerung zu diesen Massentest rennt, weil es nach nichts kostet. Ich habe das Vertrauen in die Politik komplett verloren. Heute haben wir trotz dem Genialen Lock Down hart von unserem Kurz 3.444 Neuinfektionen die Ergebnisse der Schnelltests nicht mitgerechnet.

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