Im Geisterdorf Ischgl, über eine frühe Corona-Meldung aus Island, und warum die Adler schweigen

Seit Donnerstag steht das Paznauntal nicht mehr unter Quarantäne. Die Polizisten haben den Schlagbaum nach oben gezogen. Also ist Sebastian Reinfeldt am Freitag dorthin gefahren. Zu einem Lokalaugenschein, und um sich mit einem Journalisten aus Deutschland zu treffen. Dieser hatte sich Anfang März in Ischgl mit COVID-19 infiziert. Bei ihren Gesprächen im leergefegten Wintersportort ging es um die Frage, wer was wann wusste bzw. wissen konnte. Dabei kamen brisante Details zu den Abläufen in Wien und Tirol ans Licht.


Die Motoren des Tourismus

“Das macht 6 Euro 94”, sagt die nette Kassiererin beim Billa. Ich habe Leberkässemmel, Mineralwasser, Früchtetee und einen Becher gekühlten Milchkaffee zu bezahlen. Alltag, möchte man meinen. Doch dieser Supermarkt liegt in Ischgl. Es ist der erste Tag nach Aufhebung der Quarantäne. Der kleine Billa in der Nähe einer Talstation der Silvrettaseilbahn ist “der” Ort in Ischgl, wo es für Fremde derzeit etwas zu essen und zu trinken gibt.
Ich bezahle kontaktlos mit Karte und wünsche der Kassiererin einen schönen Tag und gute Gesundheit.

Wir. Das ist ein kleines RTL-Fernsehteam und ich. Wir haben uns in Ischgl verabredet, damit ich dort vor der Kamera über die Spuren des Geldes in Tirol spreche und um Informationen auszutauschen. Nun sitzen wir auf Steinblöcken am Ufer der Trisanna und essen, was wir beim Billa erstanden haben. Zum Glück scheint die Sonne.

Der Ort mit seinen gerade mal 1500 Einwohnern ist zu dieser Zeit ein Geisterdorf. Haus an Haus stehen die leeren Ferienburgen rund um die Seilbahnstationen. Bald werde ich im Interview sagen, dass die Seilbahnen wortwörtlich “die Motoren des Tourismus” sind. Ihre Getriebe und Seile stehen derzeit still. Der Ort wirkt wie ausgefegt und in der Fläche desinfiziert. Sauber, ordentlich – und sehr still. Auf den Gehwegen ist so gut wie niemand unterwegs. Ein paar Autos fahren herum.


Die Silrettaseilbahn. Und Ischgl.

Der in Ischgl infizierte Reporter in Ischgl

Christof Lang – so heißt der Reporter, der mich auf die Idee gebracht hat, nach Ischgl zu fahren – war bereits Anfang März hier. Wie so viele kam er als Teil eine Freundeskreises – alles Männer. Freunde, die seit Jahrzehnten miteinander Wintersport betreiben. Die Gruppe kehrte Corona positiv zurück. Christof Lang isolierte sich daraufhin mit seinen Freunden und schrieb für den Stern ein Tagebuch über ihre “Corona-WG”. Seine Frau ist schwanger. Er wollte sie unter keinen Umständen anstecken. Daher isolierte er sich 14 Tage. Nun ist er zurück in Ischgl und sitzt auf einem Steinblock am Ausgangsort seiner Ansteckung. Er recherchiert, wie es dazu kommen konnte, dass auch er sich ahnungslos das Virus eingefangen hat. Der Nimbus des Ex-Ischgl-Urlaubers hilft, dass ihm zumindest einige Türen geöffnet werden.

Wer wusste wann was?

Wir sitzen in der Sonne und tauschen Infos aus. Der genau Zeitablauf ist nun wichtig. Wer wusste wann was? Denn eines ist klar. Der Kitzloch-Wirt Bernhard Zangerl ist nicht “der” Schuldige in dieser Causa, als der er oft präsentiert wird. Trotzdem meint er mittlerweile, er hätte sein Lokal früher zusperren müssen. Daher hat er sich – ein aufrechter und sympathischer junger Mann – entschuldigt. Maximal wirksam in der deutschen BILD-Zeitung. Die alten mächtigen Männer Ischgls bleiben im Hintergrund und sie schweigen weiter. Immerhin sind drei von ihnen in der Tiroler Adlerrunde vertreten: Johannes Parth, Johann von der Thannen und sein Sohn Alexander von der Thannen. In der Adler-Runde treffen sich die mächtigen Famlienoberhäupter Tirols, stimmen sich untereinander ab (denn natürlich sind ihre Interessen auch widersprüchlich zueinander) und richten Forderungen an die Politik, vornehmlich an die ÖVP. Forderungen, die in der Regel die Wege zu noch mehr Gewinnen ebnen sollen. Ganz nach dem Motto dieser Gesellschaft: „EINE VISION. EIN ZIEL„.

Wie die Mediziner gut an Touristen verdienen

Der Profit steht im Mittelpunkt. Da betrifft offenbar auch den Arzt im Ort. Seine Praxis, unweit einer Seilbahn Talstation gelegen, ist während der Tourismussaison sicherlich eine wahre Goldgrube. Heute wirkt die Praxis eher wie eine Trutzburg, in der er sich verschanzt hat. Der Arzt möchte keinesfalls über sein Wirken in Ischgl im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie reden, berichtet Christof Lang. Vielleicht auch deshalb, weil mittlerweile ein Verfahren bei der Tiroler Ärztekammer gegen ihn läuft. Angezeigt wurde er am 3. April wegen des Verstoßes gegen die “Medizin-Ethik bzw. ärztliche Berufsethik”. Im schlimmsten Falle könnte er seine Approbation verlieren. Dem Arzt wird vorgeworfen, Unbedenklichkeitszertifikate ausgestellt zu haben, ohne die Personen auf eine COVID-19-Erkrankung untersucht oder getestet zu haben.

Zudem ist der Ischgler Arzt mit einem Tiroler Adler geschäftlich verbandelt, mit Alois Schranz nämlich. Gemeinsam mit Schranz vermieten sie über Ihre Firma Medinvest  Computertomographen an die Medalp Zentrum für ambulante Chirurgie Betriebs GmbH. Beide Firmen haben ihren Sitz dort, wo die private Sportklinik Medalp steht. Am Medalp Platz 1 in Imst. Direkt neben der Autoraststation Trofana Tyrol, die wiederum… – aber das führt jetzt zu weit. Jedenfalls ist der Chirurg Alois Schranz auch der Vizepräsident der Tiroler Adler und er sitzt praktischerweise im Krisenstab der Tiroler Landesregierung. Ob dafür primär Schranz medizinischen Expertise bei Pandemien ausschlaggebend war, kann angezweifelt werden. In der Medalp-Klinik flickt er hauptsächlich verunglückte Schiurlauber zusammen. Wie gesagt, es hängt in Ischgl und Umgebung alles an den Skiliften. Auch die Kunden, die die Ärzte behandeln und die ihnen ein gutes Einkommen sichern.


Blick auf die Medalp Klinik in Imst

Die Tiroler Familiendynastien wären ein Thema für mehrere Abende, stellen Christof Lang und ich fest. Eigentlich wäre hier ein Forschungsprojekt angezeigt. Wie sich im Zuge der Entwicklung der Massentourismus in den 1950er Jahren die nun mächtigen Tiroler Familienclans herausgebildet haben. So könnte eine Forschungsfrage lauten.

Die Informationen zu COVID-19 in Österreich kamen früher als bisher gedacht

In Tirol wurde erstmal nichts entschieden. Die internationalen Meldungen über Corona-Infizierte gelangen zuerst nach Wien, ins Gesundheitsministerium. Von dort wird seit Wochen auf Nachfrage immer dieselbe Geschichte abgespult. Wir haben am 4.3. um 23 Uhr 55 die erste Meldung aus Island erhalten, dass Ischgl ein Hochrisikogebiet ist und sofort weitergegeben. Alle weiteren Meldungen aus Dänemark und Norwegen sind sogar noch an Wochenenden weitergeleitet worden. Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an die zuständigen Tiroler Behörden, so lautet das leicht unwirsche Mantra, das die Pressesprecherin dem Semiosisblog per Mail übermittelt.

Am 3. März 2020 erfolgte die erste Corona-Meldung aus Island

In Ischgl haben wir uns mittlerweile ins Auto zurück gezogen, um Ruhe zu haben. Dort zeigt Christof Lang am Laptop isländische Meldungen in das Europäische Frühwarnsystem EWRS. Die erste, Österreich betreffend, erfolgte bereits am 3. März 2020. In ihr taucht zwar der Name Ischgl nicht auf. Aus der Meldung geht aber eindeutig hervor, dass in Island Menschen positiv getestet wurden, die sich zuvor in Österreich aufgehalten hatten.
Erst nach der zweiten Meldung in der berühmten Nacht von 4. auf 5. März sendete das Ministerium an die isländischen Kolleginnen und Kollegen eine Rückfrage-Mail und informierte die Tiroler Behörden. Vielleicht hätte man bereits am 3. März die Orte und die Umstände erfragen sollen? Oder sogar müssen?

Ich berichte über meine Recherchen zu diesen Fällen. Isländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nämlich in ihrer Publikation Spread of SARS-CoV-2 in the Icelandic Population im New England Journal of Medicine den 29. Februar als das Datum bestimmt, mit dem Österreich eine “high risk area” wurde. 29. Februar! Zum gleichen Zeitpunkt übrigens wie Italien und die Schweiz. Doch erfolgte zu diesem Zeitpunkt noch keine amtliche Meldung nach Österreich, erläutert das Sozialministerium auf Semiosis-Nachfrage. Das Datum sei wohl nachträglich so entstanden.

Ausschnitt New England Journal of Medicine

Die isländische Reisegruppe: 13 von 14 Personen waren infiziert

Über die infizierte Reisegruppe gibt es aufschlußreiche Details: 12 Isländer sind am 22.2 angereist und am 29.2 (je eine Person am 1.,2. und 3. März) über München zurückgeflogen. Die anderen zwei Personen kamen am 21.2 und flogen am 1.3 nach Island. Die ganze 12er Gruppe und eine Person aus der 2er Gruppe waren infiziert. Diese infizierte Person zeigte schon am 26.2 (!) Symptome und flog am 1.März nach Reykjavik. Sie war in den Reelax Apartments untergebracht. Die zweite Person wohnte im Hotel Gradiva und war von 21.2 bis 3.3. in Ischgl. Die 12er Gruppe, bei der alle infiziert waren, wohnte im Hotel Garnie Martina (3), im Hotel Nevada (7), im Hotel Garni Vogt (1) und im Hotel Gradiva (1). Ihre Symptome traten zwischen dem 29. Februar und 3. März auf.

Das Testergebnis des Barkeepers lag am 7. März nachmittags vor

Auch im Fall des Barkeepers ist der Zeitablauf genauer bestimmbar: Sein Rachenabstrich wurde wohl am 7. März mittags in der Klinik in Innsbruck registriert. Am gleichen Tag um 17.00 Uhr kam das positive Ergebnis. Diese Abfolge hat die Pressestelle der Tiroler Landesregierung in einem ausführlichen Mail auf Nachfrage an den Semiosisblog bestätigt. Der Barkeeper hatte alle seine Kolleginnen und Kollegen im Kitzloch angesteckt. Reaktion: Das Team wurde ausgetauscht und das Kitzloch desinfiziert, berichtet Christof Lang von seinem Interview mit Bernhard Zangerl. Die Partys gingen unvermindert weiter.

COVID-19 war bereits im Februar in Tirol aktiv

Heute steht fest, dass das Virus bereits im Februar in Ischgl unterwegs war. Auch wenn die Tiroler Behörden weiterhin auf dem Gegenteil bestehen. Auf die an sie am 5. März weitergeleitete Meldung der Isländer reagierte die Landessanitätsdirektion seltsam. Sie beharrt darauf, dass diese Leute sich im Flugzeug angesteckt hätten. Bis heute steht diese Meldung auf dem Regierungsserver online.

Die Behauptung ist fachlich abenteuerlich, aber sie soll heute die Statistik und sollte damals noch ein paar Tage Wintertourismus retten. Nicht nur die Isländischen Forschungsergebnisse widersprechen dieser Tiroler Aussage. Auch die österreichische AGES hat bereits vor Wochen eine Corona-Infektionskette des Ischgler Clusters auf den 8. Februar als Infektionszeit in Ischgl zurückgeführt. Die Landesregierung bestreitet das einfach. Dieses Datum gilt daher in Tirol offiziell nicht.

Auch die Infektion im Kühtai von Ende Januar wird nicht als erste Infektion in Tirol gezählt. Denn die Deutsche, die vom 24. auf 26. Jänner auf der Dortmunder Hütte ein Yogaseminar besuchte, wurde dort zwar krank. Getestet wurde sie am 30. Jänner – nach ihrer Rückkehr nach Deutschland. Da die Diagnose nicht in Österreich erfolgte, wird diese Erkrankung offiziell Deutschland zugeordnet. Und nach weiteren Erkrankten jenseits der deutschen Reisegruppe wurde keine Ausschau gehalten. Im Schlafraum der Hütte haben 40 Personen Platz. Denn, so der Pressesprecher der Landes Tirol auf Nachfrage zum Semiosisblog:

Das bayerische Gesundheitsministerium hatte indes mitgeteilt, dass die am Coronavirus erkrankte Deutsche bereits wieder symptomfrei und in gutem Zustand war. Alle weiteren Personen, die sich in diesem Zeitraum ebenfalls auf der Hütte befunden haben, zählten gemäß der international angewendeten Falldefinition nicht zu den engen Kontaktpersonen der erkrankten Deutschen.

Es bleibt die unbestreitbare Tatsache, dass das Virus bereits im Februar in Tirol aktiv war. Wusste wirklich niemand in der Tiroler Landesregierung oder in Ischgl darüber Bescheid? Dem durchschnittlichen Menschenverstand leuchtet diese Annahme nicht ein. Denn das Virus macht sich ja durch körperliche Symtome bemerkbar. Es verbreitet sich nicht still und heimlich.

Grippale Infekte in Ischgl im Februar

Womit wir wiederum bei dem Arzt wären, auf dessen Ordination wir die ganze Zeit beim Essen blickten. Dort wurden im Februar reihenweise grippale Infekte diagnostiziert. Die Betroffenen sollten einige Tage daheim bleiben, meinte der Arzt zu ihnen. So lauten jedenfalls übereinstimmend die Berichte von Betroffenen, die uns über den anonymen Briefkasten erreicht haben. Wörtlich berichten sie (mitunter sehr drastisch formuliert):

Wenn ich bleibe in Ischgl, ich bin schon tot. An dieser Situation ist Dr.W. mit Team schuld.” (Saisonierin in einem Hotel, nicht-deutsche Muttersprache)

Wer von den Mitarbeitern krank wurde, sollte zuhause bleiben. Testen durften sie sich unter keinen Umständen lassen, sonst Job weg und womöglich Klage am Hals.(Anonymer Hinweis)

Die Ischgl MistSäcke wussten allerdings bereits seit spätestens Dienstag – vergangene Woche – um massivste Verdachts-Fälle und sagten nix, um die Saison zu retten. (Aus dem ersten Semiosisbericht zum Thema)

Ein Seilbahnmitarbeiter erzählt im Video-Interview mit dem Semiosisblog, dass es bereits am 20. Februar Gerüchte über das Corona-Virus im Ort gab. Außerdem: Er selbst wollte zum Arzt, weil auch er Symptome verspürte: Husten, Fieber und zeitweise das Gefühl, schlaff zu sein. Allerdings bekam er noch nicht einmal einen Termin. Es gebe keinen Grund zur Sorge, beruhigte eine Frauenstimme am Telefon. Das sei eine normale Infektion.

Grippe-Diagnosen ohne Tests

Das klingt nach meinem Lokalaugenschein im Ort sogar plausibel. Denn in dieser engen Ortschaft mit den vielen geschlossenen Räumen, in denen die Menschen dicht gedrängt stehen und sitzen, geht eine Infektion bald um. Dazu kommt die anstrengende Arbeit aller im Tourismus Beschäftigten. Das Vergnügen der einen bedingt die Verausgabung der anderen. Dass viele im Februar husten und Fieber haben, ist normal in Ischgl. Doch genau aus demselben Grund – Infektionen gehen in Ischgl schnell herum: Wäre es dann wirklich völlig abwegig gewesen, diese scheinbaren Grippe-Fälle auf Corona testen zu lassen? Bei dieser gehäuften Symptomatik, die auch auf den COVID-19 Virus hindeuten kann? Wollte denn der Arzt gar nicht wissen, was in seinem Ort los ist?

Wir konnten es ja nicht wissen!

Wir konnten es ja nicht wissen, so lautet das Tiroler Mantra. Doch das stimmt nicht. Man konnte – und man wusste. Ein Beispiel: Am 25. Februar wird in Tirol der erste Fall einer Corona-Infektion öffentlich. Die Rezeptionistin des Innsbrucker Hotel Europa wurde positiv getestet, wie sogar Kanzler Sebastian Kurz den Medien erzählte. Eine Woche zuvor saß er genau dort mit den Tiroler Adlern zusammen. Sein Tiroler Antrittsbesuch als türkis-grüner Kanzler führte ihn zu einem Treffen mit der illustren Runde. Nach Bekanntwerden der Infektion der Rezeptionistin wird das Hotel martialisch abgeriegelt. Niemand kann mehr herein oder heraus. Der ORF berichtet live in der ZiB. Die Rezeptionistin und ihr Freund zählen nun als erster Coronafall in Österreich, weil sie hier getestet worden waren, obwohl sie sich in der Lombardei angesteckt hatten.

Was passierte vom 25. Februar bis 5. März?

25. Februar also. Spätestens jetzt wusste man, dass das Virus in Tirol umgeht. „Man“, das sind, neben Sebastian Kurz, mit Sicherheit die Tiroler Adler, da sie ja eine Woche zuvor im Hotel waren, also auch das Mitglied des Krisenstabes Schranz und der Ischgler Arzt, wenn er den Bericht im Fernsehen gesehen hat. Auch der Kitzloch-Chef hat möglicherweise davon gehört. In den folgenden acht Tagen danach passierte öffentlich wahrnehmbar wenig – und zwar sowohl von Seiten der Behörden in Wien als auch der in Innsbruck.

Gespräche und Pressestatements

Es kam zu einer Reihe von Treffen, Gesprächen und Statements. Bereits am 25. Februar gab es Kontakte mit Innenminister Karl Nehammer und dem Bundeskanzler zur Ausbreitung des Coronavirus in Tirol. Ebenfalls am 25. Februar kam es zu einem Zusammentreffen von Landeshauptmann Platter, Südtirols Landeshauptmann Kompatscher und Trentinos Landeshauptmann Maurizio Fugatti. Thema: Die Ausbreitung des Coronavirus in der grenzübergreifenden Region. Am 26. Februar fand unter Vorsitz von Platter und Landesrat Tilg eine Sitzung der Landeseinsatzleitung zur Bekämpfung des Coronavirus im Tiroler Landhaus statt. Dann am 28. Februar steht eine Besprechung in Wien am Programm. Teilnehmende: Innenminister Nehammer, Sozialminister Anschober, alle Landeshauptleute Österreichs.

In Tirol ist die Lage derzeit stabil, wir haben aktuell keine Neuinfektionen und haben in den letzten Tagen gezeigt, dass wir gut vorbereitet sind,

meint Landeshauptmann Platter noch am 28. Februar. Er bietet sogar anderen Bundesländern Tiroler Hilfe an. In Wahrheit wurde auf Corona nur reagiert. Auslöser weiterer Aktivitäten waren erst die Informationen aus Island vom 4. März – und das mit einer bemerkenswerten Zeitverzögerung. In Ischgl gingen die Partys bis zum 13. März weiter, bis der Ort medienwirksam unter Quarantäne gestellt wurde.

Bleiben Sie gesund!

In dem nunmehr leer gefegten Ort mit den verschlossenen Türen gibt es für mich nichts mehr zu recherchieren. Nachdem das Interview aufgenommen ist, verabschieden wir uns und ich mache mich auf den langen Rückweg nach Wien.
Da dieser über das deutsche Eck führt, muss ich wie am Hinweg zwei mal die deutsch-österreichische Grenze überqueren. Wie alle PKW-Fahrer werde auch ich angehalten und befragt. Ich sage, dass ich Journalist bin, der einen Termin in Tirol hatte und zeige meine Visitenkarte. Zusammen mit meinem Reisepass checken die Grenzbeamtinnen und -beamten meine Angaben und lassen mich passieren. Bevor ich losfahre, wünschen auch wir uns wechselseitig gute Gesundheit. Auch an der Grenze heißt es: “Bleiben Sie gesund!

Ich frage mich: Wie viel davon wäre uns allen erspart geblieben, wenn in Österreich und in Tirol angesichts der Faktenlage schneller und entschlossener gehandelt worden wäre?


Wir haben die Chronologie der Ereignisse aktualisiert und stellen sie parallel zu dieser Reportage online.

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2 Kommentare

  1. Ich war mit meinen 3 Kindern und meinem Mann vom 14. – 22. Februar in Ischgl – in einem Hotel der Familie Parth. Mein Mann erkrankte an einem Magen Darm Virus der in Ischgl angeblich umging. Er hatte allerdings ungewöhnliche Symptome wie diesen “Magen Darm Virus” begleiteten. Zum gleichen a Zeitpunkt erkrankten mindestens 3 Kellner und ein Kind einer deutschen Urlauberfamilie (hohes Fieber, Husten und Erbrechen).
    Im Nachhinein erfuhren wir, dass noch 2 weitere Gruppen im Speisesaal erkrankten – teilweise bei der Abreise und teilweise während sie dort waren.
    Die Familie des so genannten Gourmet Hotels YSCLA war sehr unfreundlich, als wir versuchten herauszufinden was das für ein Virus ist und erkundigten sich auch kein einziges Mal nach dem Befinden meines Mannes. Sie waren mehr interessiert eine schon geschlossene Rechnung wieder zu öffnen um mir einen Tee zu verrechnen, den ich meinem Mann aufs Zimmer gebracht habe. Dass er mehrere Mahlzeiten im Hotel nicht zu sich nehmen konnte und dafür den vollen Preis bezahlen musste war egal – die paar Euro für den Tee waren wichtiger als Empathie zu zeigen.
    Ich muss dazusagen, dass wir zum Skifahren in die Alpen fahren und an keinem Apres Ski teilnehmen und in keiner Hütte halt machen. Natürlich könnten wir uns in den Gondeln oder beim anstellen am Lift angesteckt haben, aber die Wahrscheinlichste Quelle ist das Hotel, nachdem so viele Gäste und Angestellte erkrankten.
    Nie wieder irgendein Lokal oder Haltelinie der Familie Parth oder der im Artikel erwähnten Familien! Vielen Dank für Ihre Recherchen! Für Fragen können Sie mich gerne jederzeit kontaktieren!

    1. Vielen Dank für Ihre Informationen. Wir beginnen gerade in Richtung: frühe COVID-19 Infektionen zu recherchieren und werden uns gegebenenfalls bei Ihnen melden. Ihre Hinweise sind sehr hilfreich, Danke!

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