Kollektivvertrag Sozialwirtschaft: „Die Unterbezahlung in dieser Frauen-Branche wird weitergeschrieben“ – Interview mit Selma Schacht

Sie werden beklascht und ihnen wird täglich von Seiten der Politik gedankt – und das vom Bundeskanzler Kurz abwärts: 125.000 Menschen, die im Bereich der Gesundheits- und Sozialdienste arbeiten. In der Mehrzahl Frauen. Sie sind „systemrelevant“ und sie gehören in Zeiten von Corona zu unseren aktuellen „Heldinnen„. Nach Wochen des Streikens für eine Arbeitszeitverkürzung haben die Gewerkschaften GPA-djp und der vida hinter verborgenen Videokameras ein Kollektivvertrag abgeschlossen. Zur anderen Seite, zu den Arbeitgebern, gehören die großen Hilfsorganisationen wie etwa die Volkshilfe, die Caritas oder das Hilfswerk. Die Beschäftigten scheinen mit dem Ergebnis nicht so glücklich zu sein – trotz einer 500 Euro Prämie für ihre derzeitigen Leistungen. Denn der zentrale Punkt für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, eine Arbeitszeitverkürzung auf 35-Stunden, wird es nicht geben. Über den Vertragsabschluss haben wir mit Selma Schacht gesprochen, die im großen Verhandlungsteam der Gewerkschaften mitarbeitet. Dort hat sie gegen die Annahme des Ergebnisses gestimmt.

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„Die Gewerkschaft vertritt meine Interessen nicht!“

Kämpfe um bessere Arbeitsbedingungen? Dafür ist die GPA-DjP offenbar nicht zuständig.
2016 kam es in der der Erwachsenenbildungsbranche zu heftigen Konflikten. In einigen Instituten haben Beschäftigte – auch öffentlich – die Arbeitsbedingungen besonders im Bereich der Deutschkurse kritisiert. Und damit Verbesserungen im Kleinen und im Großen erreicht, etwa zwei Stunden mehr Vor- und Nachbereitungszeit. In den meisten Instituten zumindest. Wer jetzt 30 Stunden in der Woche Deutsch im AMS-Bereich unterrichtet, hat in einigen Wiener Instituten vier bezahlte Stunden zum Vor- und Nachbereiten des Unterrichts.
Und die zuständige Gewerkschaft? Sie gewährt zwar juristischen Rechtsschutz vor Arbeitsgerichten, falls nötig. Wenn es im Betrieb aber hart auf hart kommt, gibt es keine politische Unterstützung. Denn dafür sieht sie sich nicht zuständig. Eine Betroffene hat deshalb der Gewerkschaft GPA-djp bereits den Rücken gekehrt. Unglaublich, aber wahr. Sebastian Reinfeldt und Markus Hauni berichten.

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