Bauernmarkt 1: Chronik einer Gentrifizierung

Bauernmarkt 1

Das Wohnhaus Bauernmarkt 1. ist ein denkmalgeschützter Barockbau direkt hinter der Peterskirche, nur einen Steinwurf vom Stephansplatz entfernt. Eine der besten Adressen Wiens. Dennoch hatte das Haus – das einmal ein Gemeindebau der Stadt Wien war – in den letzten Jahren immer weniger Bewohner. Demnächst zieht, nachdem er 40 Jahre am Bauernmarkt gewohnt hat, nun der letzte Mieter aus. Der Grund für die Gentrifizierung des Hauses liegt in Immobilienspekulation im großen Ausmaß, zahnlosem Denkmalschutz und dem dilettantischen Verkauf öffentlichen Eigentums. Christoph Ulbrich zeichnet die Geschichte des Hauses nach.

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Leopoldstadt: „Ich will mich nicht vertreiben lassen!“

Es war ein Nebensatz in einem Standard-Artikel, und ein Bericht hier auf dem Semiosisblog, durch den die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses in der Taborstraße 18 erfuhren, dass sie in zwei Jahren weg müssen. Denn ihr Wohnhaus, das dem Orden der Barmherzigen Brüder gehört, soll abgerissen werden, um der Erweiterung des gleichnamigen Krankenhauses Platz zu machen. Noch wohnen dort mehr als 100 Menschen. Der Konflikt zwischen den Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner, die in ihren preisgünstigen Wohnungen bleiben wollen (und aus Existenzgründen wohl auch müssen) und den Eigentümern ist vorgezeichnet.

Gespräch mit einem Bewohner der Taborstraße 18

Stefan Ohrhallinger wohnt mit seinem Sohn in der Taborstraße 18. Beide haben jetzt einen preiswerten Wohnraum, der vernichtet werden soll, meint er im Gespräch mit dem Semiosisblog. Er schätzt die Umgebung des zweiten Gemeindebezirks. Zwar wird es Umsiedlungsangebote der Eigentümer geben, doch würden die Bewohnerinnen und Bewohner im Endeffekt vertrieben und immerhin 140 leistbare Wohnungen vernichtet. Deshalb will er um den Erhalt des Hauses kämpfen. Dafür wird eine BürgerInneninitaive gegründet und es werden Unterschriften gegen den Abriss gesammelt. Bezirksrat Josef Iraschko ist bereits beratend tätig, die Initiative Denkmalschutz will dabei unterstützen, Denkmalschutz für das Haus zu erwirken, das in einer Schutzzone liegt. Und die linke Initiative Aufbruch hat sich bereits gemeldet, um den Konflikt aufzugreifen. Stefan hat mit Sebastian Reinfeldt gesprochen.

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Warum ist die Linke in Österreich so erfolglos?

Wie die unabhängige Linke in Österreich so geworden ist, wie sie ist – diese Frage soll uns in mehreren Beiträgen und Interviews beschäftigen. Darin werden wir die Geschichte der Linken in Österreich seit 1968 sichtbar machen und zugleich nach Gründen für ihre Wirkungslosigkeit suchen. Denn in den vergangenen rund 20 Jahren ist weder eine relevante Partei links von SPÖ und Grünen entstanden, noch haben soziale Bewegungen die politische Klasse erfolgreich herausgefordert. Und von einer einflussreichen linken Gewerkschaftspolitik in Österreich kann ebenfalls kaum die Rede sein. Das ist nicht nur im Vergleich zu den Nachbarländern bemerkenswert, sondern insgesamt auch ein Faktor, der die andauernde Stärke der rechtspopulistischen FPÖ seit 1987 mit erklärt. Für diese Schwäche muss es Gründe geben. Im ersten Artikel zum Thema beleuchtet Sebastian Reinfeldt im Überblick die Geschichte der unabhängigen Linken in Österreich nach 1968 – und er bringt ein wenig Licht in die K-Grüppchen Szene der 1970er und 1980er Jahre.

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Ressentiments als Trampolin für faschistische Bewegungen

Im italienischen Fernsehen äußerte sich Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zur politischen Lage in Österreich. Am vergangenen Montag meinte er: „Wer in Österreich Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer wählt, ist nicht automatisch ein Anhänger der rechtsextremen Rechten“, so die hierher berichtete Kernaussage.  „Die Leute wählen nach den eigenen Ängsten. Wenn die Rechte in Europa gewinnt, riskiert man viel“, erläuterte Kern weiter. Ein denkwürdiger Satz und eine kommentierenswürdige Aussage, meint der Schrifttsteller Richard Schuberth in einem kurzen, aber prägnanten Beitrag für den Semiosisblog.

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Berliner Linke: Eine widerständige, moderne linke Partei

Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im Herbst 2016 hat Die Linke in Berlin außergewöhnlich gut abgeschnitten. Gegen den Trend in Deutschland konnte sie prozentual und stimmenmäßig deutlich zulegen und erreichte 15,6 Prozent der Stimmen. Mehr als die rechtspopulistische AfD und mehr als die Grünen in der Hauptstadt. Bis 16. November 2016 soll die – nach Thüringen – zweite Rot-rot-grüne (R2G) Koalition in Deutschland stehen. Am vergangen Freitag trafen sich die Verhandlungsgruppen von SPD, LINKE und Bündnis’90/Die Grünen zu ihrer ersten gemeinsamen Sitzung der Koalitionsverhandlungen.

Ist die Reorganisation der Linken in Berlin in den vergangenen Jahren ein Best-practice Beispiel? Mit welcher Strategie kam dieser Wahlerfolg zustande? Oder war das Resultat reiner Zufall? Mit Katina Schubert, die auch im linken Verhandlungsteam für die R2G-Verhandlungen sitzt, hat Sebastian Reinfeldt gesprochen. Katina ist Landesgeschäftsführerin der Berliner Linken und seit kurzem auch Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

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Spanien: Die sozialistische Rocky Horror Picture Show

Pedro Sanchez, der Generalsekretär der PSOE, ist zurückgetreten worden. Sein Sturz an diesem Wochenende wirft einige Fragen auf. Zum Beispiel steht die Zukunft der spanischen Sozialdemokratie zur Debatte. Sind dadurch die Chancen für die Bildung einer konservativ-liberalen Regierung unter der Führung von Rajoy gestiegen? Wie wirkt sich diese Entscheidung auf Podemos aus? Der Publizist, Wirtschaftswissenschaftler und Podemos-Aktivist Pablo Torija analysiert die Situation und zeigt einige mögliche Antworten auf.

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