Wie Kunst hilft, mit dem Krieg umzugehen

Eine Ausstellung in Wien zeigt, wie nach Österreich geflüchtete Ukrainer:innen auf den Krieg blicken. Nebenbei erfährt man viel über ihr Leben fernab der Heimat – und auch einiges über ihr derzeitiges Leben in Österreich. Eine Reportage zum Jahrestags der „full scale“-Invasion Russlands in die Ukraine von Florian Bayer. Die Plastik eines blutigen Köpers, der verwundet … Weiterlesen

Wünscht man sich in Wien das Burgtheater vor Peymann zurück?

Anlässlich der Fernsehübertragung von Die Bakchen aus dem Burgtheater wurde
unsere Autorin an ihren letzten Theaterbesuch vor dem ersten Lockdown des Vorjahres erinnert. Sie hat die Aufführung noch kurz vor der ersten Schließung des
Burgtheaters live erlebt. Die heimischen Kritiken waren eher mäßig bis schlecht. Sie werden der Aufführung aber in keiner Weise gerecht. Ist der Grund dafür vielleicht, dass man sich in Wien das Burgtheater vor Peymann zurück wünscht? Unsere Gastautorin Julia Pecile macht dem Stück daher eine Liebeserklärung.


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Ihr wollt Wahlprognosen? Wir haben sie!

Wahltag ist …. Wartetag. Die Spannung steigt, bis es um 17 Uhr harte Fakten in Form von Prozenten gibt. Wer wird Erster? Welche Parteien schaffen den Einzug? Wer bildet wie die nächste Regierung. Kompetent und kritisch haben wir einige Stellungnahmen aus dem Semiosisblog-Umfeld eingeholt. Eine reflektierte Wartezeit wünscht die Redaktion.

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Kuren in Zeiten des Neoliberalismus

Morgens, mittags und abends einfach nur ruhen – in einem bequemen Liegestuhl, im Winter in Decken gehüllt, im Sommer unter einem Sonnenschirm. Das war der gepflegte Müßiggang einer Liegekur in der Mikrowelt eines privaten Sanatoriums, die Thomas Mann ironisch im Zauberberg beschreibt. Das Ruhen und Rasten des gehobenen Bürgertums von damals stellt das Gegenmodell zur Kur heutzutage dar. „Werden sie aktiv, bewegen sie sich, verbessern Sie ihren Lebensstil! “ So lauten die aktuellen Imperative der österreichischen Pensionsversicherungsanstalt. Geblieben ist die Mikrowelt eines Sanatoriums, in dem die Menschen, die so wie ich im Turnus 35GA in Bad Sauerbrunn im Nordburgenland gelandet sind, für 3 Wochen leben. So ganz nebenbei lernen wir dabei ein Public Private Partnership der österreichischen Art kennen. – Von Sebastian Reinfeldt, derzeit Bad Sauerbrunn.

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Als die Geschäfte in Mattersburg sonntags noch offen waren

Es ist ein bekanntes Kuriosum, dass es den Ort Mattersdorf zwei Mal gibt: Ein Mal im Burgenland, seit 1928 unter dem Namen Mattersburg (oder Nagymarton), und ein zweites Mal im Norden Jerusalems unter dem Namen Kirjat Mattersdorf. Letzteres wurde 1948 vom letzten Mattersdorfer Oberrabiner Samuel Ehrenfeld gegründet. Er musste wie alle Jüdinnen und Juden seine Heimatstadt verlassen. Die „Mattersdorfer Gelehrsamkeit“ der Talmud-Hochschule aus Österreich verbreitet sich jetzt durch seinen Enkel Isaak Ehrenfeld im nah-fernen Israel.

Bereits am 8. Oktober 1938 verkündete nämlich die Kleine Volks-Zeitung voller Stolz, dass Mattersburg nunmehr „judenfrei“ sei. Etwa 530 Jüdinnen und Juden wurden in kürzester Zeit aus ihrer Heimat vertrieben, und das noch vor den November-Pogromen 1938. Mehr als 100 Mattersburger jüdischen Glaubens kamen später in den Konzentrationslagern um. Diese Lücke in der Stadt ist bis heute auch architektonisch sichtbar. Etwa dort, wo heute „das“ Mattersburger Hochhaus steht, befand sich die ehemalige Synagoge, die von den Nazis im September 1940 (wahrscheinlich samt einiger umliegender Häuser) weggesprengt worden war. Auch die Erinnerung an die jüdische Geschichte der Stadt sollte gewaltsam ausgelöscht werden, nicht nur ihre jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner. Lange Zeit blieb das Gelände rund um die ehemalige Synagoge Brachland. Heute lebt kein einziger Jude und keine einzige Jüdin mehr in der Stadt. Der Mattersburger Verein Wir erinnern setzt diesen österreichischen NS-Gewalttaten Erinnerungswege entgegen. Sebastian Reinfeldt ist einen solchen Weg mitgegangen.

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„Woins die Hymne singan? I sogs eana owa glei, ich sing sicher net mit.“

von Katharina Rohrauer

Da sitz ich nun, in diesem Gelöbniszimmer. Rund um mich Fahnen, die der Stadt Wien, der Republik, der EU. Am Tisch vor mir steht ein Gesteck aus rot- weiß- roten Plastikblumen, daneben ein Radio und ein paar laminierte Folien, auf denen der Text der Bundeshyme abgedruckt ist. Hinter dem Tisch „unser Sachbearbeiter“, vor mir mein Mann, der jetzt – nach fast 12 Jahren Leben in Österreich- eingebürgert werden wird, neben ihm unsere älteste Tochter, sie wirkt verwirrt, unsere zweite Tochter ist grad dabei, die Erde der Zimmerpflanze neben ihr umzugraben.

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